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amiga-news.de Forum > Get a Life > In dubio contra reum? [ - Suche - Neue Beiträge - Registrieren - Login - ]

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06.03.2002, 13:25 Uhr

Petra
Posts: 1121
Nutzer
Ich habe gerade durch Zufall einen älteren Text von mir
wiedergefunden, den ich vor einiger Zeit (soweit ich mich
erinnere) mal als Kommentar zu diversen Streitigkeiten auf
ANN gepostet hatte. Da sich inzwischen immer mehr Leute
öffentlich streiten und der Text dadurch eher an Aktualität
gewonnen hat, stelle ich ihn hier auch mal zur Diskussion.
Praktisch als kleine Anregung, mal darüber nachzudenken,
wieviel Energie anstatt in Produkte in Streitigkeiten
gepumpt wird.

++++
Ein römischer Rechtsgrundsatz lautet: "In dubio pro reo"
(im Zweifel für den Angeklagten). Der Amiga-Markt erlebt
seit ein, zwei Jahren eine beispiellose Welle von Streitereien
zwischen verschiedenen Firmen und Interessengruppen. In
verschiedensten Diskussionsforen und auch unseren Kommentaren
werfen sich die einzelnen Parteien ihre Vorwürfe, Anschuldigungen,
Argumente und Halbwahrheiten um die Ohren. Leider wird dabei
eher nach dem Muster "in dubio contra reum" (im Zweifel
gegen den Angeklagten) verfahren.

Auf keiner Seite ist auch nur der Hauch von Einsicht spürbar,
geschweige denn die Fähigkeit, Fehler einzugestehen und in
Ordnung zu bringen. Im Gegenteil, Firmeninterna, gespickt mit
Beschuldigungen und Halbwahrheiten wird vom jeweiligen "Gegner"
(meist anonym) veröffentlicht und in Foren ausführlichst
"diskutiert".

Wenn das Ziel solcher Aktionen wäre, Recht zu bekommen,
wäre es ja noch einigermaßen verständlich. Was aber tatsächlich
stattfindet, ist Kampf. Mittlerweile geht es nur noch um
eins, den "Gegner" so schnell wie möglich völlig aus dem Rennen
zu schlagen, und selbst als einer von den "Guten" dazustehen.

Dumm nur, dass die User dabei nicht mitspielen und eher
nach Ovid (43 v.Chr.-18 n.Chr.; Metamorphosen, 7,20) verfahren,
der sagte: "Video meliora proboque, deteriora sequor" (Ich sehe
das Bessere und lobe es; dem Schlechteren folge ich), und in
aller Seelenruhe zu einem anderen System wechseln.

Dumm auch, dass die Firmen und Interessengruppen das nicht
begreifen. Schlau wäre es, interne Streitereien
intern zu regeln und die gesparte Zeit in Entwicklung zu
stecken, um den Usern Ergebnisse präsentieren zu können!

Mag sein, dass ich mich mit meinem Appell, solche Streitereien
aus der Öffentlichkeit rauszuhalten, falsch liege.
Leider sind wir alle nur Menschen, "errare humanum est"
(irren ist menschlich).
++++

--
:diam: Ciao, Petra

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06.03.2002, 13:31 Uhr

Solar
Posts: 3674
Nutzer
Volle Zustimmung meinerseits. Leider wahrscheinlich unrealistisch. (Denn wie viele Realisten sind noch "bei der Stange"?)

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06.03.2002, 15:39 Uhr

MrMarco
Posts: 445
Nutzer
Applaus... Volle Zustimmung von meiner Seite!

Ich erfreue mich immer wieder über Postings von Amiga Usern die denken, bevor sie Posten und im Ernstfall den Text nochmals lesen vorher.

Wir brauchen Windows, Linux, Mac OS etc. gar nicht zu fürchten... Wir gehen uns selbst an den Hals.

Warum? Weil wir in unserem innersten Selbst wissen, das wir keine Rolle mehr spielen und uns eh keiner mehr für ernst nimmt.

Ich habe eine Sache sehr lange zurück gehalten (Solar kann das bestätigen) und zwar den folgenden Abschnitt:

"Warum denkt ihr läßt sich kaum noch ein Entwickler in den Kommentaren oder Foren sehen? Warum denkt ihr wenden sich immer mehr Entwickler von euch ab?"

Die NDA-Entwickler wußten sehr lange vor euch was mit Amiga und Microsoft läuft uns soweit ich mich erinnern kann, waren eigentlich alle der Meinung das dies der richtige Weg ist um einen wichtigen Schritt nach vorne zu machen für den Amiga.

Die Anzahl der amigaOS Programmierer nimmt rappide ab und die amigaDE Entwickler werden immer mehr.

Warum? Denkt mal scharf drüber nach. Eure Postings, Flame-Wars, Anschuldigen der übrig gebliebenen Firmen untereinander vertreiben die Programmierer.

Warum sollte man für so eine Streitbare Minderheit sich überhaupt die Mühe machen ein Produkt zu erstellen, was eh nicht gewürdigt wird und außerdem von vielen Mieß gemacht wird.

Bevor jetzt einer Postet das ich das schreibe weil ich frustriert über den Misserfolg mit Battle bin, oder weil ich die Leute auf das amigaDE umlenken will... das stimmt absolut nicht!

Ich habe für mich selbst einen Weg gefunden zu Programmieren OHNE den Gedanken (!!!) hinter dem Amiga zu verraten. Als Webdeveloper ist es mir oftmals ziemlich egal was auf der anderen Seite sich für ein OS befindet. Ok, es gibt immer ein paar Sonderfälle für das eine oder andere OS, aber im Prinzip ist es egal! PHP/Perl/MySQL läuft unter fast jedem OS. Und die Serverseite hat den User eh nicht zu interessieren!

Der obige Text hat monatelang vor sich hingegährt und oftmals habe ich ihn nach der Eingabe wieder gelöscht. Nur irgendwann MUSS es gesagt werden!

Die Antworten auf diese Posting werden mir viel über die Amiga User die noch da sind verraten.

Btw... das Forum/die Kommentare sind für Psychologen ein optimaler Ort um das gegeneinander von Personen zu studieren. Traurig! Wirklich traurig!

Ich hatte zwar nie Latein, aber der folgende Spruch paßt auf die aktuelle Situation:

Concordia res parvae crescunt, discordia maximae dilabuntur

Durch Eintracht wächst Kleines, durch Zwietracht zerfällt das Größte

MfG
MrMarco

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06.03.2002, 16:31 Uhr

DrNOP
Posts: 4118
Nutzer
Auch von mir gibt's volle Zustimmung - für alle drei meiner Vorredner! :)

Was mich allerdings etwas erstaunt ist: Gibt es wirklich immer mehr AmigaDE-Entwickler??
Das ist wohl was, was außer den NDA-Unterworfenen niemand, wirklich niemand mitbekommt!
Und solange das niemand der "Normalsterblichen" weiß, kann sich niemand seine Gedanken dazu machen - weswegen wiederum hier alles beim Alten bleibt:
Streitereien untereinander ... :angry:

Gruß,
Dr.NOP

[ Dieser Beitrag wurde von DrNOP am 06.03.2002 editiert. ]

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08.03.2002, 12:35 Uhr

GroundZero
Posts: 77
Nutzer
Hallo,

der Grund, warum hier so verbissen "diskutiert" wird, liegt IMHO daran, daß einige User wohl den Bezug zur Realität verloren haben. Das ist mir nämlich das erste Mal so richtig auf der Kölner Messe 2000 aufgefallen, als Jürgen Haage das OS 3.9 demonstrieren wollte. 60 % der kostbaren Zeit gingen mit Blabla drauf, ob sich wohl OS X ähnliche optische Effekte integrieren ließen. Oh Mann! Und 30 % verflogen, als irgendwer das Seminar als private "Hotline" für seine CD-Installationsprobleme mißverstande hat.

Mir ist die zugrunde liegende Hardware wurscht, ob Emu oder nicht. Die Leute, die sich hier wegen sowas streiten, sollten lieber bedenken, daß nicht das OS eine Plattform zum Erfolg bringt, sondern das Softwareangebot. Und gerade das wird der Knackpunkt werden!!! und ich möchte jetz nicht irgendein Geschwafel hören, daß man alles machen könne, wenn man nur wollte. Das ist Blödsinn! Der Amiga hat zB einem Cubase qualitätsmäßig nichts entgegenzusetzen. Weil von einem feinen OS ohne Anwendungen habe ich nichts, leider!

Vieleicht haben sich manche Leute in den vielen Jahren, in denen wir steuerlos herumtrieben, auch zu sehr daran gewöhnt, daß man in einer schrumpfenden Community glaubt, Forderungen stellen zu können, weil man halt vieleicht mit dem Programmierer per Du ist oder ihn zumindest öfters im Forum trifft....

...langsam schäme ich mich schon, daß ich Amiganer bin, denn das schlechte Benehmen nimmt langsam überhand :(

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12.03.2002, 21:11 Uhr

Festus
Posts: 537
Nutzer
Servus,

diese "Entwicklung" (wobei man immer davon ausgeht, Entwicklung bedeute Fortschritt) fällt mir ebenfalls seit geraumer Zeit auf. Deshalb schrieb ich gestern in einem anderen Thread folgendes:


"Ja, so ist das anno 2002 bei http://www.amiga-news.de. Es ist schon echt pervers, dass solch ein depperter Thread von 20:31 bis 21:49 ganze *263* Mal (!) aufgerufen wird und somit anscheinend viele Leute doch ganz gerne Trekker-Postings lesen... :dance3: Ts.

Schreibt man *sachliche* Threads, in denen man häufig auch noch *Fragen* an die werte *Community* stellt, wird dieser nicht selten unter 100 Mal angesehen und verschwindet anschließend im Nirvana. Die Anzahl der Antworten bewegt sich dann auch nicht gerade im erhofften Bereich...

So langsam nervt es hier. Echt!"


Dass es auch andere Forum-Mitglieder zu nerven scheint, merkt man an der subjektiv doch abgenommenen Anzahl *sachlicher* Threads. Stattdessen findet das meiste Geschehen mittlerweile in den Kommentaren statt. Mensch, geht's dort zumeist ab... Hilfe! Wenn man täglich erleben muß, welche "Kinderstube" gewisse Poster besitzen, wird man echt nachdenklich. Niveauloser geht's nicht mehr. So langsam wird mir das Besuchen hier echt verleidet. Vielleicht bin ich aber auch nur empfindlich?! - Nein. Eine *Amiga-Gemeinschaft* in großem Stile gibt es schon lange nicht mehr. Machen wir uns nichts vor. Wenn ich Entwickler wäre, hätte ich wohl auch längst die Brocken hingeschmissen. Viele hier schätzen *nichts* mehr. Wenn man dann auch noch die Verkaufszahlen berücksichtigt, sollte jede(r) froh sein, dass dennoch neue Progis/Updates erscheinen.

Ist es eine Zeiterscheinung oder gar in Mode, andere offen zu beleidigen oder deren Arbeit durch den Schmutz zu ziehen? "Respekt" scheint ein Fremdwort zu sein.

Doch wie kann man diese an sich tolle Seite schützen? Ich denke, dass bald irgendetwas passieren *muß*, ansonsten wendet sich jeder halbwegs vernünftige Besucher demnächst ab und vermeidet aktive Beteiligung.
--
Gruß,
Festus

[ Dieser Beitrag wurde von Festus am 12.03.2002 editiert. ]

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12.03.2002, 21:27 Uhr

Solar
Posts: 3674
Nutzer
Zitat:
Original von Festus:

Ist es eine Zeiterscheinung oder gar in Mode, andere offen zu beleidigen oder deren Arbeit durch den Schmutz zu ziehen? "Respekt" scheint ein Fremdwort zu sein.


Ich fürchte, die Verschlechterung des Signal/Rauschabstands auf Amiga-Seiten liegt in dem permanenten "Ausbluten" der Community: Die "normalen" sind schon lange weg, die "halbwegs normalen" auch, von den "ziemlich überzeugten" sind nur noch wenige da. Die "sehr überzeugten" packen gerade ihr Ränzlein, und übrig bleiben die "extrem überzeugten". Und wie das mit Extremen so ist... :-/

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13.03.2002, 10:15 Uhr

ylf
Posts: 4101
Nutzer
... oder anders ausgedrückt ...
seit fast 10 Jahren läuft die Community gewissermaßen kopflos durch die Gegend und deshalb rennt jeder einzelne in eine anderen Richtung.


Hoffen wir, das es besser wird ...

bye, ylf

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13.03.2002, 11:41 Uhr

mact
Posts: 102
Nutzer
Danke, Petra, für Deinen Versuch, die "verbliebene Hirnmasse" anzusprechen.

Leider sind ein paar Fakten untergegangen, die ich als direkt Betroffener mal kurz aufzählen möchte:

- viele Entwickler haben die Nase voll davon, in ihrer Freizeit von Amiga-Usern zu beliebigen Änderungen/Erweiterungen ihrer Produkte aufgefordert zu werden, auf Null Geduld und noch weit weniger Verständnis für andere Sichtweisen zu stoßen, als diese User sie haben

- die verbliebenen Firmen schaffen es, nicht zuletzt durch ihre kleine Zahl, durch Verkauf und Service zu überleben. Als die "Konkurrenz" noch größer war, hatten die Amiga-User bessere Chancen, ihre (typische) Erwartungshaltung durchzusetzen, daß sie 24/7 kostenlosen Support erhalten, für keine Dienstleistung auch nur einen Pfennig zu bezahlen haben und mit ihren zusammengefrickelten Amigas für immense Wartungsaufwendungen sorgen dürfen (ich erinnere nur an das lächerliche A1200-Design, dessen Motherboard elektronisch/abschirmtechnisch dermaßen rauscht, daß die Niagara-Fälle dagegen eine Singularität sind - und auf so einem Müll erwarten die User dann beliebige Hacks zu 100% stabil zum Laufen zu bekommen). Sprich: die völlig verqueren Erwartungshaltungen derjenigen User, die nicht mitbekommen haben (und auch heute noch Verständnisschwierigkeiten damit haben), daß sich Technik weiter entwickelt und vor fünf Jahren noch akzeptable Chaos-Designs später einfach nicht mehr tolerabel sind, haben für die schlechte Stimmung mitgesorgt.

- es hat zwischen den Firmen, auch durch die Beschäftigung freier Entwickler, immer Grabenkämpfe gegeben. Da der Amiga-Markt nie das Potential für große Stückzahlen (Hard- und Software) gehabt hat, mussten Firmen sich auch mit Entwicklern begnügen, deren soziale Kompetenz zweifelhaft war. Die Folgen davon sind mannigfaltig (gewesen): Absprachen bezüglich Kompatiblitäten sind nicht eingehalten worden oder von vornherein gescheitert, es gab üble Nachrede, Verleumdung, falsche technische Diagnosen, deren Ziel die Verunglimpfung anderer Entwickler war (mit denen persönliche Feindschaften gepflegt wurden). Natürlich hat sich dieses intrigante Grundsystem auch auf die User übertragen, denn an wen sollten die sich halten, wenn nicht an die "Insider"?

- die Entwicklung für Amiga-Systeme war immer abhängig von Einzelpersonen. Diese wurden von den Firmen hofiert und jeder, der einen fähigen Entwickler "einkaufen" konnte, durfte sich glücklich schätzen, wenn dieser die amiga-typische nonstop-Rotation vollführte. Sollte es einmal zum Bruch kommen, war das Resultat mit 100%iger Garantie ein neuer Grabenkampf. Auch dies führte dazu, daß gerade diejenigen "Leitfiguren", denen eine Sozialkompetenz fehlte, sich durchsetzen und den Markt weiter verschärfen konnten.

Was folgt aus diesen rückwärts gerichteten Betrachtungen? Meines Erachtens folgt daraus die Erkenntnis, daß das, was wir heute im "Amiga-Markt" beobachten, die logische Forsetzung dessen ist, was immer bezeichnend für den Amiga war: ein (früher fast noch gesundes) "elitäres Denken", das leider oft nicht mit Fakten unterfüttert war, das Fehlen von "Vorreitern" mit Vorbild-Charakter (es gibt heute - und gab es auch früher - Leitbilder in der Entwickler-Szene, an denen sich auch "große Leute" etliche Scheiben abschneiden können, in der Amiga-Szene war so etwas immer äußerst selten), weiterhin die Notwendigkeit, sich auf die eigenen Möglichkeiten zu beschränken, da eine unvoreingenommene Hilfe von außen nur selten zu bekommen war und ist (bzw. dann mit einer Ideologie verbunden wurde: wenn ich Dir helfe, musst Du den und den für bekloppt erklären und darfst nichts mehr von ihnen kaufen).

In einem solchen Umfeld Diskussions-Kultur zu schaffen oder zu erhalten, dürfte ausgesprochen schwierig sein. Heute kommt hinzu, daß Diskussionen nahezu sinnlos sind, es gibt nämlich keine Alternativen, die zu erwägen wären, man kann den wenigen Angeboten folgen - oder es lassen. Der Marktdruck reicht nicht aus, um Qualitätssicherung zu erzwingen (auch darunter litt der Amiga schon immer), was jeden Anwender sofort in die Situation bringt, nach einer Entscheidung für ein Produkt dieses verteidigen zu müssen, da er sich ja sonst (schon wieder) falsch entschieden hätte. Das sorgt für eine existenzielle Frustration - die heute mehr als früher zur Aura des Amiga-Benutzers gehört.

Die "Frustrationsenergie" jedoch in Produktivität umzuleiten hieße, sich Betätigungsfelder zu suchen, in denen Produktivität möglich ist. Das schließt, wenn man es nüchtern betrachtet, jahrzehntealte Systeme aus - denn Reanimation Verstorbener ist bestenfalls gut für weitere Frustration. Jeder, der seinen Aktionswillen also umsetzen will, wird auf die eine oder andere Weise zum "Verräter" (so muss ihn die ehemalige "Community" sehen) - und wer sich also vor der Wahl sieht, vor Wut eine Nachricht im Amiga-News-Forum zu schreiben oder alternativ ein Programm zu entwickeln, das dem "bisherigen Amiga-Markt" kaum nutzt - wird nur weiter frustriert, wenn er sich für die Entwicklung entscheidet und damit für andere "böse" wird.

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13.03.2002, 16:02 Uhr

Holger
Posts: 8093
Nutzer
Zitat:
Original von MrMarco:
"Warum denkt ihr läßt sich kaum noch ein Entwickler in den Kommentaren oder Foren sehen? Warum denkt ihr wenden sich immer mehr Entwickler von euch ab?"

Das kann man wohl vollkommen wertungsfrei beantworten. Es lassen sich weniger Entwickler sehen, weil es weniger Entwickler gibt. Andere sind zwar immer noch hier, aber schon lange nicht mehr in ihrer Eigenschaft als Entwickler.
Ich finde es sehr merkwuerdig, die Abkehr eines Entwicklers von einer
Plattform als "er wendet sich von Euch ab" zu bezeichnen. Das ist
schon sehr verdreht.
Dass ich z.B. nicht fuer den Amiga entwickle, hat nichts mit den
Personen zu tun, sondern das Amiga eben keine Zukunft hat. Und ich
kann den Anhaengern dieser Plattform nicht verdenken, dass diese
Perspektive nicht immer die besten Reaktionen hervorruft.
Die Forderung anderer, jegliche Entwicklung dankbar aufzunehmen und
jeden Hauch einer Kritik zu unterlassen, halte ich fuer viel schlimmer.
Zitat:
Die NDA-Entwickler wußten sehr lange vor euch was mit Amiga und Microsoft läuft uns soweit ich mich erinnern kann, waren eigentlich alle der Meinung das dies der richtige Weg ist um einen wichtigen Schritt nach vorne zu machen für den Amiga.
Wenn sonst schon keinerlei positive Entwicklung zu sehen ist, ist
das natuerlich ein Schritt nach vorne.
Zitat:
Die Anzahl der amigaOS Programmierer nimmt rappide ab und die amigaDE Entwickler werden immer mehr.

Warum?

Weil AInc clevererweise die absolute Anzahl registrierter Entwickler benutzt. Den meisten ist naemlich selbst der Aufwand der de-registrierung, falls das bei AInc ueberhaupt geht, schon zuviel.
Zitat:
Denkt mal scharf drüber nach. Eure Postings, Flame-Wars, Anschuldigen der übrig gebliebenen Firmen untereinander vertreiben die Programmierer.
Na klar. Wer Wert auf eine herzhafte Beziehung zu seinen Anwendern legt, wird zur DE-Entwicklung getrieben, wo man Dank AInc's angebotenen Vertriebskanaelen seine Kunden ueberhaupt nicht kennt. Da ist selbst Windows-Programmierung persoenlicher.
Zitat:
Ich habe für mich selbst einen Weg gefunden zu Programmieren OHNE den Gedanken (!!!) hinter dem Amiga zu verraten. Als Webdeveloper [...]
War mir irgendwie schon vollkommen klar, dass der Weg nicht ueber das DE fueren wird. Nicht mal ansatzweise...

Um mal meine "Abkehr vom Amiga" zu erklaeren:
Das AmigaOS wird nicht weiterentwickelt. Die angekuendigte Version 4
ist nach allen offentlichen Statements von Hyperion, aus Entwicklersicht
als kosmetisch aufbereitete alte Version zu bezeichnen, waehrend die
wirklich noetige Weiterentwicklung mit den abstrusesten Erklaerungen
als unnoetig deklariert wird. Dem Besitzer des Namens interessiert das
sowieso nicht. Der hat sein Heil ja schon in einem plattformunabhaengigen
Lochkartenleser gefunden, weil der so resourcenschonend ist. Hier kommen
auf einen aktiven Entwickler drei Directors of XYZ, die Speicherschutz
fuer einen Krankheit halten, aber in einer total vernetzten Umgebung
vom PDA bis zum Server skalierbar sein wollen.

Das beim Amiga Dinge, die auf anderen System inzwischen mit
Zehnzeilern geloest werden koennen, einen riesen Aufwand bedeuten,
heisst nicht, dass man sich beschweren kann, wenn die Anwender
diesen Aufwand nicht erkennen und deshalb nicht zu wuerdigen wissen.

Es ist eine Illusion, dass Eintracht und Burgfrieden die Situation
verbessern werden.
Zitat:
Btw... das Forum/die Kommentare sind für Psychologen ein optimaler Ort um das gegeneinander von Personen zu studieren. Traurig! Wirklich traurig!
Ich kann das Problem nicht erkennen. Jeglicher Ort, an dem mehr als eine Person zu finden ist, ist ein Ort, um das Verhalten von Personen zu studieren. In jeglicher Hinsicht. Klar, Amiga-Foren sind ein guter Platz, um Extremverhalten zu studieren. So wie sinkende Schiffe und abstuerzende Flugzeuge.

mfg

--

Good coders do not comment. What was hard to write should be hard to read too.

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13.03.2002, 17:50 Uhr

Festus
Posts: 537
Nutzer
@ Holger

> Die Forderung anderer, jegliche Entwicklung dankbar aufzunehmen und
jeden Hauch einer Kritik zu unterlassen, halte ich fuer viel schlimmer.

Da gebe ich Dir recht, aber das meinte ja wohl niemand hier *so*.

Nur: kannst Du vielleicht die Art und Weise, wie auf dieser Seite zumeist "Kritik" verabreicht wird (vor allem in den Kommentaren), gutheissen? Wohl kaum. Ich finde es eher traurig, dass Anhänger gleicher/ähnlicher Interessen in dieser Form miteinander umgehen (wobei das nicht bloß auf gleiche Interessen zu münzen ist!). Das hat IMHO etwas mit dem Charakter zu tun. Stellt Euch doch mal vor, *überall* im Leben würde diese "Kommunikationsform" angewandt werden!? Jeder normale Mensch wendet sich da mit Grausen ab.
--
Gruß,
Festus

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13.03.2002, 20:48 Uhr

Andreas_Wolf
Posts: 2980
Nutzer
@ mact:

> viele Entwickler haben die Nase voll davon, in ihrer Freizeit von
> Amiga-Usern zu beliebigen Änderungen/Erweiterungen ihrer Produkte
> aufgefordert zu werden...

Warum wird man dann in den ReadMes und Manuals gebeten, dem Entwickler BugReports und Verbesserungs-/Erweiterungsvorschläge zukommen zu lassen?

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14.03.2002, 10:44 Uhr

mact
Posts: 102
Nutzer
Moin,

> > viele Entwickler haben die Nase voll davon, in ihrer Freizeit von
> > Amiga-Usern zu beliebigen Änderungen/Erweiterungen ihrer Produkte
> > aufgefordert zu werden...

> Warum wird man dann in den ReadMes und Manuals gebeten, dem
> Entwickler BugReports und Verbesserungs-/Erweiterungsvorschläge
> zukommen zu lassen?

Das ist aus meinem Beitrag zu entnehmen: Ein Bugreport und Verbesserungsvorschläge sind etwas anderes als die Amiga-typische "mach das, ich brauch das"-Haltung. Der Umgang im Amiga-Markt ist von jeher (ich bin seit den ersten gelieferten A1000-NTSC dabei) grundanders als auf anderen Plattformen gewesen - und die derzeitige Umgangs-Situation ist die logische Konsequenz daraus.

Ich sehe gerade wieder in einer Mailingliste zu einem Amiga-Produkt genau diese Haltung: der Amiga-Entwickler hat deutlich gemacht, daß er aus privaten und beruflichen Gründen wenig Zeit hat, sich um Liste und Produkt zu kümmern. Was tun die Amiga-User? Sie schreien und rufen, wo er denn sei und warum er nicht reagiere und wann denn die neueste Version seines (kostenlosen) Programms erschiene.

_Das_ ist das Problem.

Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn auch obiges ist bereits in meinem Beitrag zu lesen.

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14.03.2002, 17:06 Uhr

Andreas_Wolf
Posts: 2980
Nutzer
> ...die Amiga-typische "mach das, ich brauch das"-Haltung. Der Umgang
> im Amiga-Markt ist von jeher [...] grundanders als auf anderen
> Plattformen gewesen...

> Ich sehe gerade wieder in einer Mailingliste zu einem Amiga-Produkt
> genau diese Haltung: der Amiga-Entwickler hat deutlich gemacht, daß
> er aus privaten und beruflichen Gründen wenig Zeit hat, sich um Liste
> und Produkt zu kümmern. Was tun die Amiga-User? Sie schreien und
> rufen, wo er denn sei und warum er nicht reagiere und wann denn die
> neueste Version seines (kostenlosen) Programms erschiene.

Abgesehen davon, daß ich zwischen der von dir implizierten Haltung der Amiga-User und deinem Beispiel keinen Zusammenhang entdecken kann, kann ich dir versichern, daß die in deinem Beispiel beschriebenen Reaktionen auf anderen Plattformen ebenso vorkommen. Ich halte das nicht für ein Problem, geschweige denn ein amigatypisches.

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15.03.2002, 13:08 Uhr

mact
Posts: 102
Nutzer
Amigatypische Haltung:

> daß die in deinem Beispiel beschriebenen Reaktionen auf anderen
> Plattformen ebenso vorkommen.

Vorkommen != typisch.

Wenn auf Windows-, Linux-, Be- und QNX-Plattformen einzelne Arroganzlinge dieses Verhalten zeigen, gehen sie in der Masse unter und können ignoriert werden. Wenn auf der Amiga-Plattform dieses Verhalten seit rund 17 Jahren "normal" ist, wie ich beschrieben habe, ergibt sich daraus ein anderes Bild.

Ich bin seit 1982 Software-Entwickler. Ich habe AUSSCHLIEßLICH auf der Amiga-Plattform das von mir beschriebene "typische" Verhalten als _normal_ erlebt (auch hier gab und gibt es Ausnahmen, zum Glück). Selbst der Atari hatte (und hat - als "Milan") keinen so hohen "Besserwissi"-Anteil wie der Amiga.

Und ich habe auch erklärt, warum ich diese Zusammenfassung aus meiner Sicht geschrieben habe: weil sie erklärt, weshalb der Umgangston unter Amiga-Fanatikern (und den wenigen "nicht-Fanatikern", die noch aktiv sind) so rauh ist. Daß es ähnliche Typen auf anderen Plattformen gibt, steht dabei nicht zur Diskussion und der Hinweis darauf ist Amiga-typisch: andere sind auch blöd, also dürfen wir es ebenso sein.

Nuff said.

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