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amiga-news.de Forum > AROS und Amiga-Emulatoren > Was macht einen Amiga eurer Meinung nach aus? [ - Suche - Neue Beiträge - Registrieren - Login - ]

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06.03.2022, 04:05 Uhr

sardello
Posts: 5
Nutzer
Hallo Community,

ich lese hier schon seit etlichen Jahren mit und bin immer wieder begeistert, dass in der Szene immer noch was passiert.

Selbst bin ich als Schüler mit dem Amiga 500 aufgewachsen. Von der Geschwindigkeit des Amigas, gerade die Reaktionsgeschwindigkeit, war ich immer sehr angetan, weshalb ich auch relativ spät erst zu einem PC gewechselt habe. Mit Windows konnte ich mich letztlich aber nie Recht anfreunden, weshalb seit vielen Jahren nur noch Linux-Distros im Haushalt laufen.

Durch News zum A500 Mini bin ich mal wieder auf diese Seite aufmerksam geworden. Der A500 Mini emuliert die Spiele allem Anschein nur, so wie es viele vorherige Mini-Konsolen schon gemacht haben. Das ist schon enttäuschend für mich und ich frage mich ob man damit irgendwelche Amiga-Fans abholt oder doch nur wieder Nostalgiker.

Dank technologischen Fortschritt, z.B. SSDs und entsprechendem Betriebssystem wie Chrome OS ist man mittlerweile auf einem ähnlichen Level wie der Amiga, was die Reaktionsgeschwindigkeit angeht. Und es fällt mir inzwischen immer schwieriger selbst zu begreifen was für mich die Faszination Amiga noch ausmacht.

Daher die Frage an die Community. Was macht für euch einen Amiga aus? Was ist so Besonderes daran? Was hat es was kein anderes System mit sich bringt? Was fasziniert euch am Amiga?

[ Dieser Beitrag wurde von sardello am 06.03.2022 um 04:06 Uhr geändert. ]

[ Dieser Beitrag wurde von sardello am 06.03.2022 um 04:16 Uhr geändert. ]

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06.03.2022, 11:19 Uhr

Holger
Posts: 8092
Nutzer
Schwierige Frage.

Anno 2022 muss man schon sagen, dass da eine Menge Nostalgie dabei ist. Aber ich finde nicht, dass aktuelle Systeme das gleiche Gefühl bei der Bedienung geben. Bei Idealbedingungen sind die Reaktionszeiten klein, aber der wahre Unterschied wird erst bei höherer Systemlast deutlich.

Ansonsten findet man vieles, was früher den Amiga ausgemacht hat, heute auch in anderen Systemen. Nur eben nicht als rundes Gesamtpaket.
--
Good coders do not comment. What was hard to write should be hard to read too.

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06.03.2022, 13:52 Uhr

RedBaron
Posts: 83
Nutzer
@sardello:
Neben der zutreffenden Beschreibung von Holger als "Rundes Gesamtpaket" macht den Amiga genau das Gegenteil von folgender Situation aus: Ich starte eben Microsoft Teams auf einem Laptop von 2013 mit 1 GHz Dual-Core AMD A-1200 CPU und Windows 10, das dauert so ca. 5 Minuten.

Das ist für x86 Rechner ein lahmes Gerät, nur funktioniert auf dem Gerät AmigaOS 3.1 in WinUAE schneller als Windows 10 als Host-OS.

Das macht auch Amiga in 2022 aus.

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06.03.2022, 14:46 Uhr

sardello
Posts: 5
Nutzer
@RedBaron:

Deswegen habe ich auch unter anderem Chrome OS erwähnt, da mir bewusst ist, dass Windows sehr träge ist. Habe für einen Freund erst gestern einen 10 Jahre alten Laptop neu eingerichtet und obwohl dieser einen Core i5 besitzt, war er nach frischer Win10-Installation schon sehr langsam und schon das Öffnen eines Browsers oder gar des Dateimanagers hat mehrere Sekunden gedauert. Zum Vergleich habe ich Ubuntu vom Stick gebootet. Es waren Welten dazwischen.

Es gibt also durchaus performantere Betriebssysteme, die zumindest in die Nähe eines AmigaOS kommen. Trotzdem existiert immer noch ein Unterschied, da gebe ich dir recht.

Für mich wäre eine ideale Fortsetzung des Amiga ein zu OS 3.2 abwärtskompatibler Kleinstrechner, angetrieben durch eine ARM-CPU oder vergleichbar günstig und dürfte die 200¤-Marke nicht überschreiten.

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06.03.2022, 18:42 Uhr

KingZambo
Posts: 26
Nutzer
Bei mir war der Amiga (500) mein erster eigener Computer, das hat mich vermutlich geprägt. Dazu war der Amiga mit einer der ersten (Heim-)Computer mit durchgängiger Maussteuerung, im Gegensatz zu Dos-PCs oder den früheren Computer, die ich so kannte.
Ich war entsetzt, als ich als frischer Amiga-Besitzer mit meinem Vater einen VHS-Computerkurs besuchte und nur komisch angeschaut wurde, als ich fragte, warum es keine Maus gibt ;) . Ich weiss nicht mehr, welche Textverarbeitung damals unter DOS benutzt wurde, aber auf dem Amiga fand ich sogar Textomat von DataBecker deutlich besser.
Heute fasziniert mich am Amiga, dass damals vieles schon funktionierte, wofür man heute eine im Verhältnis massiv potentere Hardware braucht. Allerdings habe ich damals den Amiga hauptsächlich zum Spielen verwendet, gelegentlich Textverarbeitung und kurze Ausflüge in die Programmierung (AmigaBasic von Microsoft ;( ). Als Schüler konnte ich mir auch finanziell keine grossen Sprünge erlauben (Disketten & immer mal wieder ein neuer Joystick gingen ja auch ins Geld), zumal irgendwann andere Sachen wichtiger wurden. Daher habe ich erst vor ein paar Jahren angefangen, meinen A500 wieder zu reaktivieren, moderat zu modernisieren und mir auch eine kleine Sammlung anzulegen mit Hardware, von der ich damals nur in Magazinen gelesen habe (A1000, A2000, A1200, neuere TKs, RTG etc.).
Den A500 Mini sehe ich eher als Nostalgie-Maschine vor allem für Leute, die z.B. keine Lust haben, sich Original-Hardware in die Bude zu stellen und nur ab und an mal ein Amiga-Spiel am TV zocken wollen, vielleicht mit ihren Kindern. Ich würde mir vielleicht einen A500 Maxi zulegen, so habe es auch schon mit dem TheC64 gemacht. Schnell aufgebaut, angeklemmt und loslegen, im Gegensatz zu Original-Hardware, die man ggf. erst überarbeiten und aufrüsten muss.

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09.03.2022, 14:01 Uhr

thomas2
Posts: 18
Nutzer
Ich habe mir letztes Jahr anstelle eines A500 mini oder ähnlichem ein Rasperry Pi 400 (in diesem ist Keyboard und Maus bereits integriert) und das AmiKit-Paket besorgt und letzteres auf ersterem aufgesetzt. Daraus entsteht eine AmigaOS-Emulation auf einer Linux-Distribution, die wiederum auf einem ARM-Prozessor basiert. Ich habe damit schnell die Erfahrung gemacht, dass sich das für mich, wie soll ich sagen, irgendwie synthetisch anfühlt. Das Grobe von damals ist damit weg. Kein Röhren-Monitor, keine Tank-Mouse, keine große Tastatur mit Amiga-Tasten darauf, keine 3,5-Zoll-Disketten ... Es ist ungefähr so, als hätte ich einen CD-Spieler vor mir, der Schallplatten abspielt. Das passt für mich nicht zusammen!

Für mich verkörpert das Amiga-System zB. Eigenwilligkeit. Das fängt schon bei den Namensfindungen an: "Workbench", auf deutsch "Werkbank", "Kickstart", also "Antritt", die ganzen Custom-Chips mit Persönlichkeit: Agnus (zu deutsch: "Lamm"), Lisa, Denise, die "Guru-Meditation". Das ist schon etwas anderes als in dieser Sprache zu sprechen: x86, Kernel, USB, Windows, ARM, BIOS usf. ...

Die Achtziger Jahre, bis in die Neunziger Jahre hinein war für mich noch eine Art Wilder Westen der Computertechnologie. Spiele kamen auf etlichen Plattformen heraus und nicht nur auf zwei bis maximal dreien wie heute (Windows, MacOS, Linux). Viele Normen, die heute zum Standard zählen oder schon längst vergessen sind, waren erst im Entstehen und konkurrierten untereinander. Gecrackte Spiele wurden per Post verschickt und untereinander getauscht. In Kaufhäusern standen wir in den Computerabteilungen und verglichen Test Drive auf dem Amiga mit der Version für den C64. Die Boxen für die Spiele waren noch alle unterschiedlich: mal dick, mal dünn, mal groß, mal klein und häufig sehr bunt. Später war's auch mal eine CD anstelle von Disketten.

Heute erscheint mir dagegen alles wie glattgebügelt: genauso wie Autos heute alle mehr oder weniger gleich aussehen sehen auch Desktop-Computer und Smartphones heute mehr oder weniger gleich aus (von Apple-Produkten abgesehen). Software hat für uns heute keinen Träger mehr, alles kommt über's Internet. Computer haben keine Persönlichkeit mehr. Jeder schaut nur noch auf die Performance.

Vielleicht ist der heutige Retro-Trend, in dessen Fahrwasser die Amiga-Systeme mitschwimmen und nur ein Teil ausmachen, damit zu erklären, dass wir zu weit gegangen sind. Die Leute kaufen sich wieder vermehrt Schallplatten anstelle von CDs. Sie hören analog erzeugte Musik anstelle von digitaler. Filmemacher drehen ihre Filme mit analogem Material. Distributoren für Amiga-Spiele kopieren die Spiele von Entwicklern auf technologisch längst überholte Disketten, drucken Anleitungen auf Papier anstelle eine PDF-Datei anzubieten und packen alles in eine hochwertige Box. Und wir lesen noch immer Bücher und Zeitungen anstelle alles vom Bildschirm, jedenfalls einige von uns. Will sagen: manchmal ist ein vermeintlicher Fortschritt vielleicht eher ein Rückschritt!

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09.03.2022, 14:49 Uhr

sardello
Posts: 5
Nutzer
@thomas2: Dieser Retro-Trend könnte aber auch der allgemein bekannte 30-jahre-zurück-Trend sein. In den 80ern waren es die 50er, in den 90ern die 60er usw.

Ich habe mir auch ein Raspberry Pi 400 gekauft und kann verstehen, dass sich eine Emulation sehr synthetisch anfühlt. Trotzdem ist der Pi 400 derzeit für mich dass, was einem ursprünglichem Amiga am nächsten kommt. Nicht nur das Design (Tastaturcomputer) sondern auch die Möglichkeiten, damit rumzubasteln und diesen auf viele verschiedene Weisen zu erweitern. Ich denke aber der Pi schreibt abseits von Amiga seine ganz eigene tolle Geschichte.

Noch ein Wort zum Retro-Feeling. Ich finde es auch gut, wenn alles möglichst authentisch bleibt. Trotzdem wünsche ich mir wie viele andere auch, dass der Amiga auch irgendwann mal die nächsten Schritte macht. Dazu gehört unter anderem, dass das OS sich weiterentwickelt und neue Hardware auf dem Markt kommt.

Den PowerPC-Weg halte ich für falsch. Die Architektur ist zu teuer und irgendwie auch inzwischen tot. Die Wii U war wohl das letzte Kommerziell "erfolgreiche" Produkt auf PowerPC-Basis. Stattdessen sollten meiner Meinung nach günstige ARMs zum Einsatz kommen. Und die Hardware muss unter 200¤ auf dem Markt kommen.

Das OS sollte OpenSource werden mit Hyperion Entertainment als Maintainer. Entweder sollte dann AmigaOS 4.1 auf ARM portiert werden oder man führt die klassische AmigaOS 3.2-Schiene weiter.

Und dann müsste noch ein aktueller Browser schnellstmöglich portiert werden. An Chrome OS sieht man ganz gut, dass mehr oft nicht nötig ist damit Menschen mit heutzutage mit einem Computer arbeiten können.

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09.03.2022, 16:49 Uhr

KingZambo
Posts: 26
Nutzer
@sardello: Aber dann hast du auch nur einen weiteren beliebigen Computer, auf dem das wichtigste Programm der Browser ist, über den man dann Zugriff auf andere Programme und Funktionen hat. Alte Amiga-Software muss auf Emulationsbasis ausgeführt werden (im Browser?), nur das Rundherum ist vielleicht schlanker. Eigentlich ein Ultrabook oder ChromeOS-Device mit Amiga-Sticker, das OS darunter ist ja eigentlich völlig egal, wie du selbst anmerkst.
Und Hyperion hat sicher nicht die Mittel, um ein AmigaOS auf eine neue Basis zu stellen, und erst recht nicht für Hardware-Design.
Mal ganz abgesehen von modernen Sicherheitsanforderungen, für die ein AmigaOS vermutlich komplett von Grund auf neu geschrieben werden müsste. Oder man nimmt einen anderen OS-Kern und baut darauf auf, womit man wieder beim Emulator landet und sich im Kreis dreht ...

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10.03.2022, 09:47 Uhr

sardello
Posts: 5
Nutzer
@KingZambo: Der Browser ist eine Software, die von vielen Menschen täglich benutzt wird. Es ging mir nicht darum, dass alles durch einen modernen Browser abgelöst wird sondern dass man die Möglichkeit schafft, den Amiga wieder im Alltag verwenden zu können. Da gehört ein moderner Browser für mich dazu. Wenn ich für eine schnelle Recherche im Internet immer erst ein anderes Gerät einschalten muss, dann kann ich im Grunde den Amiga auch gleich auslassen.

Und gerade weil Hyperion nicht die Kapazitäten hat, sollte das AmigaOS Open Source werden. Das ist natürlich kein Garant dafür, dass sich fähige Leute finden werden, doch jetzt geht es leider auch nur sehr schleppend weiter.

Aber einmal zurückgefragt. Was würdest du machen um die Amiga-Plattform voranzubringen? Bisher klingt es für mich so, als ob du gerne alles beim Alten lassen würdest und vielleicht höchstens Revisionen der alten Amigas wünschst.

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12.03.2022, 04:13 Uhr

kadi
Posts: 1503
Nutzer
Mein erster Computer war ein Commodore 16, mit dem ich hauptsächlich programmiert habe.

Als ich den Amiga mal bei einem Radio Fachgeschäft gesehen habe, und mir der Verkäufer voller Liebe die Vorzüge dieses Systemes zeigte, war für mich der Plan klar. Ich wollte einen A500 haben.

Also gespart und Amigamagazine gelesen. Als ich endlich hatte gab es nix anderes mehr.

Irgendwann ersetzte ich ihn gegen einen Amiga1200, dann Blizzard1260, SCSI-Kit, Micronic Towergehäuse, ZorroII Daughterboard, Netzwerkkarte, DSL von der Telecom, Grafikkarte!!!

In der Zeit habe ich am Amiga rumgefrickelt bis der Rechner leider ein Haufen Schrott wurde.

Die Rettung vor dem Hardwarekollaps war Amithlon! Das war auch "nur" ein Emulator, aber ein ganz besonderer. Dafür bastelte ich mir einen Athlon PC zusammen, den ich liebevoll mit Amigaaufklebern verzierte.

Ja, das System fühlte sich echt an, zumindest genauso echt, wie mein Amiga mit RTG Grafikkarte und Turbokarte im Towergehäuse. Kein bisschen unecht oder "Synthetisch". Nicht im Vergleich zu dem was ich vorher benutzte. Das war ja auch kein AGA mit PAL-Monitor mehr.

Der war genauso wie mein Aufgerüsteter Amiga 1200 nur viel viel Schneller. Das da ein unsichtbarer Linuxkernel und UAE drunter lief, den der Entwickler von der Customchipemulation befreit hatte, störte mich nicht.

Da ich Amithlon exclusiv auf der Maschine hatte, stand da noch ein PC mit Win und Mandrake Linux daneben, das Amithlon System war aber bis 2006 mein Hauptsystem für das tägliche Computing, Web, Mail, Grafik und CD-Brennen, Schreiben und Drucken und Scannen, alles mit AmigaOS.

Aber nun habe ich das nicht mehr laufen, sondern begnüge mich mit fsUAE auf meinem Xubuntu PC, Ein Raspi 400 habe ich ebenso.

Ich verstehe euch, wenn ihr sagt, dass man das Original Feeling der Commodore Rechner aus den 80ern mit einer Emulation nicht hinkriegt, dennoch war für mich Amithlon damals eine konsequente Weiterentwicklung meines aufgemotzten RTG-Amigas, nur viel Schneller.

Heute macht das für mich allerdings keinen Sinn mehr einen Amiga als Hauptsystem für das Tagliche Computing zu benutzen.

Bin 2006 ganz auf Linux gewechselt, Xubuntu mit störrischen XFCE Desktop. Der Workflow gefiel mir nie und es dauerte Jahre, bis ich mich daran gewöhnt hatte.

Aber ich liebe OpenSource!

:boing: INTERESSANT!!! :boing:
Vor ein paat Wochen bemerkte ich, dass ich immer öfter mal .webp Grafiken aus dem Netz lade. Mein fast Aktueller (LTS) Xubuntu Desktop kann die Grafiken allerdings nicht parsen, ich sehe also merkwürdige Icons ohne die Vorschau. Auch Geeqie, mein Bildanzeiger müsste ich rekompilieren und gegen eine neuere Bibliothek linken. Oder abwarten bis es eine aktuellere LTS gibt und hoffen, dass der Maintainer von Geeqie auch daran denkt das .webp Format zu unterstützen.

Da dachte ich mir, wie war das noch am Amiga, man installiert einfach einen Datatype aus dem Aminet und schon können ALLE alten Programme das neue Format lesen und Speichern?

Also mal ausprobieren, fsUAE starten, Aminet, "webp Datatype" suchen, installieren...geht !!! Dauerte 2 minuten.

Der Amiga war und ist was ganz besonderes. Selbst im Emulator.

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12.03.2022, 05:04 Uhr

kadi
Posts: 1503
Nutzer
@sardello:

Was du schreibst hätte mir vor 10 Jahren aus der Seele gesprochen. Damals habe ich das AmigaOS nicht mehr als mein Hauptsystem für das Tägliche Computing benutzen können, da sich das Internet so schnell entwickelte und die Amiga Browser einfach abhängte.

Die Hiobsbotschaft, dass IBrowse nicht mehr weiterentwickelt würde, bewegte mich dazu, dem AmigaOS good Bye zu sagen.

Ne weile habe ich tatsächlich noch UAE gestartet um mit YAM meine Emails zu holen, bis ich IMAP benötigte.

Auch gemalt habe ich noch mit PPaint, weil ich jahre lang kein Pixel Malprogramm gefunden habe, heute benutze ich das auch nicht mehr, weil ich wie alle anderen alles mit Vektorgrafik gestalte.

Wie gesagt, packt mich die Nostalgie, starte ich UAE und surfe mit IBrowse Amiga-News.de

Die Einzige Chance *mich* (ja ich meine hier nur mich) zurück zu AmigaOS zu holen wäre

* preisgünstige Hardware von der Stange (PC, Raspi)
* OpenSource
* aktueller Browser und Mail
* Emulation für alte Programme
* Oberfläche, die sich an die Workbench anlehnt und neue schöne Schlanke GUI mitbringt.

Und das macht keinen Sinn, da es dann nix mehr mit den Amiga zu tun hätte, da könnte man ja gleich irgendein anderes System nutzen. Am besten Linux und ein Emulator.

Beispiel Apple: niemand hat sich damals beschwert als die Prozessoren von 68k zu PPC zu Intel und zuletzt zu ARM gewechselt sind. Oder als man das Komplette OS neu schrieb, auf Darwin Basis, das alte wanderete in den Emulator.

Keiner argumentierte ..."das ist doch kein Apple mehr, da können wir ja gleich Unix oder Wintel nehmen!"

Warum? Weil Apple trotz der Wechsel weiter innovativ war und das macht Mac und Apple aus, die Innovation. Nicht der Kernel pder der Prozessor oder der Stallgeruch der Oberfläche.

Innovation braucht Visionen und vor allem Manpower, was wir leider beides nicht mehr haben.

Commodore hätte den Amiga weiterentwickeln können, aber eine Community schafft das grundsätzlich nicht. Alles was man neu schreibt ist nicht mehr echt, ist was anderes. Die Hälfte der Leute wird das nicht akzeptieren und auf was anderes warten.

Haben wir erlebt, Amithon-> "nur ein Emulator, noch dazu ein Sargnagel!", MorphOS->"kein Amiga mehr, völlig anderes System", AmigaOS4->"keine echte Amiga-Hardware!"

Deshalb kann kein solches Projekt erfolgreich sein, weil man nur ein paar leute klaut und alles noch mehr zersplittert.

Selbst AROS ist keine Lösung, da zu wenig Entwickler.

Leider sehe ich nicht, dass man den Amiga wieder beleben könnte, der gehört jetzt in die Vergangenheit.

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12.03.2022, 08:22 Uhr

analogkid
Posts: 2393
Nutzer
Hier sollte vielleicht berücksichtigt werden, dass das Hobby "Amiga" mittlerweile sehr weit gefasst werden kann. Ich würde einem reinen Emulations-User nicht weniger als Amiga-Fan bezeichnen wie jemanden, der seinen A4000 bis an die Zähne bewaffnet hat. Und natürlich allen Zwischenschritten auch nicht.

Und davon hängt nicht unmassgeblich auch die eigene Sichtweise auf den Amiga ab. Ich denke, man ist da einfach Nostalgiker in eigener Sache. Und das unabhängig davon, ob man einfach mal eine Runde Turrican II spielen oder seine Datenverarbeitung wie anno 1990 machen möchte.

Gerade beim Classic 68k ist in den letzten Jahren wieder unheimlich viel Leben in der Bude. Es gibt unheimlich viele Hardwareprojekte, viele nicht kommerziell, und auch wichtige Softwareupdates wie Amiga OS 3.2. Projekte wie Vampire, Pistorm und auch die Emus zeigen deutlich, dass man die gesetzten Grenzen der 68k CPUs hinter sich lassen und trotzdem die Hardwarebasis des Classic Amigas halten möchte.

OS4, MorphOS und AROS sind da noch wieder eine andere Baustelle und stehen ein wenig jenseits der Classic Nostalgie, ohne diese aber völlig verneinen zu können.

Für mich ist Amiga ein Nerd-Hobby, das sich prima in einen Kosmos anderer Nerd-Hobbys integrieren lässt. Ich käme auf einem Classic Amiga nie auf die Idee, einen Internetbrowser zu nutzen, der auch nur in Ansätzen in Sachen Usability an Chrome oder Firefox herankäme. Der an sich tolle, aber viel zu langsame Wayfarer unter MorphOS zeigt in der Hinsicht schmerzhaft die Grenzen auf, und das ist schon Top-Class Web Experience auf einem Amiga System. Das "Surfen" mit IBrowse 2.5 auf kompatiblen Seiten hat aber immerhin einen netten nostalgischen Faktor. Und das ist nur ein Beispiel.

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12.03.2022, 11:20 Uhr

ylf
Posts: 4101
Nutzer
sorry, etwas OffTopic ...
Zitat:
Original von analogkid:
Der an sich tolle, aber viel zu langsame Wayfarer unter MorphOS zeigt in der Hinsicht schmerzhaft die Grenzen auf, und das ist schon Top-Class Web Experience auf einem Amiga System.

Klingt paradox, aber hast du es mal mit abgeschalteten Cache versucht?
Natürlich wird der Wayfarer nicht zur Rakete, aber da scheint ein systematischer Fehler vorzuliegen, wenn der Browser die Daten schneller aus dem Internet als von der Festplatte holen kann.

--
A1200 Blizzard PPC 603e BVision AmigaOS4.1, PowerBook G4 MorphOS

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12.03.2022, 11:34 Uhr

ylf
Posts: 4101
Nutzer
back to Topic ...
ich schließe mich Holgers Sichtweise weitestgehend an.
--
A1200 Blizzard PPC 603e BVision AmigaOS4.1, PowerBook G4 MorphOS

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14.03.2022, 16:49 Uhr

KingZambo
Posts: 26
Nutzer
Zitat:
Original von sardello:
Aber einmal zurückgefragt. Was würdest du machen um die Amiga-Plattform voranzubringen? Bisher klingt es für mich so, als ob du gerne alles beim Alten lassen würdest und vielleicht höchstens Revisionen der alten Amigas wünschst.


Die Amiga-Plattform voranbringen? Ich glaube nicht, dass das noch gelingen kann ausserhalb der Retro-Gemeinde. Die letzten Ansätze aus den 2000er-Jahren mit AmigaOS4.1 und neuer Hardware sind mehr oder weniger tot oder nur noch für Hardcore-Enthusiasten interessant (vom Preis mal ganz abgesehen). Ebenso der Ansatz von MorphOS, was ich auch gerne nutze und eigentlich ganz nett finde, allerdings müsste sich dort auch bei der Hardware etwas bewegen, meine 2 PowerMacs sind gerade in Zeiten von teurer Energiepreise nichts für den täglichen Einsatz, von Sicherheitsmängeln im OS mal abgesehen. Immerhin gibt es einen halbwegs brauchbaren Browser dafür. AROS wäre vielleicht ein Kandidat für die Weiterentwicklung. Allerdings fehlen allen Ansätzen die modernen Softwarelösungen, die es selbst für die Nicht-Windows-Systeme wie MacOS, Linux oder die *BSD-Systeme gibt. Vieles ist sicher portierbar, aber ich persönlich bin mit Linux schon sehr zufrieden, was z.B. auch die optimale Nutzung der vorhandenen Hardware angeht. Da hat sich in den Jahren, in denen ich Linux nutze (über 20 Jahre) wesentlich mehr getan als im Amiga-Bereich und trotzdem hat es sich nicht durchgesetzt (ich rede vom reinen Enduser-Desktop, nicht von Android, Serverbereich oder sonstwas), obwohl da mittlerweile viele Firmen viel Geld und Arbeit reinstecken.
Eine Desktop-Lösung ähnlich wie GNOME, KDE, XFCE etc. mit Amiga-Feeling könnte ich mir vorstellen, wobei das auch wieder viele Fans unterschiedlich interpretieren (von Workbench 1.3 bis 3.9, 3.2, 4.1 bis zur aufgebohrten ClassicWB mit DOpus 5.x ist ja alles möglich), wobei da imho Enlightenment vielleicht schon vieles bietet.
Von der Hardware-Seite sieht es noch düsterer aus: alle Versuche, eine eigenständige Amiga-Hardware-Plattform markttauglich zu entwickeln und in den Handel zu bringen, sind Geld- und Zeitverschwendung. Standardhardware muss genügen, damit es bezahlbar bleibt und vielleicht eine kritische Masse an Usern erreichen kann. Da kommt mir momentan z.B. der Pi400 in den Kopf (liegt hier einer neben mir). Darauf dann vielleicht ein Amikit mit optisch und funktional aufgebohrter Workbench und die Möglichkeit, per Rabbithole Host-Software in der WB aufzurufen, fertig ist die moderne Amiga-Kiste. Den alten Charm und Reiz hat natürlich nur die Original-Hardware, für die ja immer noch von engagierten Fans neue Erweiterungen und Software entwickelt werden ...

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14.03.2022, 16:57 Uhr

OlafSch
Posts: 86
Nutzer
@KingZambo:

Kennst du axRuntime?

https://www.axrt.org/

Deadwood (ein AROS-Entwickler) kompiliert praktisch Aros-Komponenten als Linux-Anwendungen. Beispiele sind Wanderer-Desktop (s. Video), MPlayer (Zune-GUI mit der Basis von Linux) sowie AROS-Shell. Die Perspektive ist irgendwann AROS kompilierte Komponenten und Linux beliebig mischen zu können. Das wäre dann tatsächlich das bestmögliche Ergebnis, Linux als Unterbau und viele moderne Anwendungen sowie Teile von AROS (z.B. Desktop) für das Amiga look&feel.

Wenn das möglich ist würde ich da gerne eine Distribution entwickeln. Ist irgendwie ähnlich wie damals mit Aros 68k in dem man Aros und Amiga kombinieren konnte, nur diesmal Aros und Linux. Meine Idee wäre eine Distribution für die derzeitige Community (basierend auf Wanderer Desktop) und eine für andere Ansprüche (moderner Desktop entsprechend konfiguriert). Alles aber erst eine Idee. Zunächst muß die Basis da sein.

[ Dieser Beitrag wurde von OlafSch am 14.03.2022 um 17:14 Uhr geändert. ]

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14.03.2022, 17:11 Uhr

OlafSch
Posts: 86
Nutzer
@analogkid:

Das deckt sich auch mit meiner Sichtweise

Amiga ist für die meisten noch aktiven User eine reine Retro-Geschichte, da ist es irrelevant ob man alles darauf machen kann. Das gilt eigentlich für alles was mit 68k zu tun hat.

Die NG-Plattformen scheitern derzeit an den eigenen Ansprüchen wobei dort (neben dem Problem der Treiber) vor allem moderne Software fehlt (insbesondere natürlich Browser). Das Problem läßt sich mangels Ressourcen nie lösen. Einzige Idee die mich überzeugen würde wäre etwas auf Linux- oder Unix-Basis (wie oben beschrieben). Das würde mich auch persönlich reizen da eine Distribution zu entwickeln wenn es möglich ist. Man wird sehen.

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14.03.2022, 17:25 Uhr

OlafSch
Posts: 86
Nutzer
Beispiel Video Wanderer Desktop kompiliert für Linux

https://www.axrt.org/media/axrt-Wanderer.mp4

Mplayer

https://www.axrt.org/media/axrt-MPlayer.mp4

GUI ist Zune, der Unterbau Linux. Das ganze ist eine Linux-Anwendung

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14.03.2022, 17:28 Uhr

KingZambo
Posts: 26
Nutzer
@OlafSch:

Ja, ich habe die News hier auf der Seite vor einiger Zeit gelesen. Sicherlich ein interessanter Ansatz, aber wohl nicht für eine grössere Masse an Endanwendern ausserhalb der Amiga-Szene. Da ist Enlightenment schon ein riesiges Stück weiter, zumal mir spontan keine Anwendungen für Amiga einfallen, für die es nicht schon modernere Alternativen unter Linux selbst gibt (AROS kenne ich nur von ein paar Experimenten in einer VM). Alle kommerziellen Anwendungen für Amiga werden wohl nicht mehr im Quellcode vorliegen und müssen bei Bedarf dann weiterhin im Emulator laufen.
Für reine Optik im Windowmanager reicht dann auch passende Themes (vor Jahren gab es mal den amiwm) und so manche Bedienphilosophie aus Amiga-Zeiten ist in der heutigen Zeit einfach nicht mehr angemessen, auch wenn es immer noch Sachen gibt, die der Amiga besser und schicker kann.

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14.03.2022, 17:49 Uhr

OlafSch
Posts: 86
Nutzer
@KingZambo:

Enlightenment Desktop war mir noch gar kein Begriff. Sieht interessant aus. Wanderer Desktop ist sicher nur etwas für derzeitige Amiga-Fans. Für andere wäre etwas moderneres (wie manche sagen würden "bloated") vermutlich besser geeignet. Alles erst im Ideenstadium. Wobei ich nicht allein die Anwendungen des Amiga interessant finde sondern die Philosphien dahinter (z.B. Datatypes die ich zumindest bisher so nirgendwo anders gesehen habe) und die Einfachheit. Wenn man das auf ein modernes System übertragen könnte dann wäre da bestimmt auch neue Ideen machbar.

[ Dieser Beitrag wurde von OlafSch am 14.03.2022 um 17:52 Uhr geändert. ]

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14.03.2022, 18:12 Uhr

KingZambo
Posts: 26
Nutzer
@OlafSch:

Enlightenment erinnert mich bisher am meisten an eine aufgebohrte Amiga-Workbench, zumal das nicht nur ein weiterer Desktop ist, sondern auch seine eigenen GUI-Libraries mitbringt, ähnlich wie MUI auf dem Amiga.
Auch wenn ich keine näheren Informationen dazu finden konnte, ich glaube der Initiator war wohl Amiga-Fan ;) .
Ich nutze es gerne auf meinem Pi400, da es sehr wenig Ressourcen zieht und flott ist (auch wenn man vielleicht das eine oder andere Eyecandy abschalten sollte).

https://www.enlightenment.org/

Findet sich auch eigentlich in jeder Linux-Distri.

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14.03.2022, 22:44 Uhr

kadi
Posts: 1503
Nutzer
@KingZambo:

Installiertst du das unter dem Rasbian aka Raspberry Pi OS einfach der apt install?

oder gibts da ein Distro als Immage?

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15.03.2022, 07:08 Uhr

KingZambo
Posts: 26
Nutzer
@kadi: ja, einfach per apt installieren. Da ich nur das nötigste auf der SD-Karte haben wollte, hab ich auch gleich mit dem Erscheinen von RaspiOS 64Bit das Lite-Image gezogen und nur die (für mich) notwendigen Anwendungen installiert.

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