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01.Jan.2000
Volker Mohr


Wer hat Amiga gekauft?
Volker Mohr hat für uns einen Überblick zusammengefasst:

Alle haben es gehört: Die Firma Amino Development hat die Rechte am Namen Amiga, der Internetdomain und vor allem an der in der Zeit vor Gateway entwickelten Amiga Technologie erworben. Nicht erworben wurden die Rechte an der neuen Multimedia-Umgebung, bisher "Amiga Objects" genannt, sowie am sogenannten Amiga MCC. Diese während der Gateway-Aera entwickelten Produkte werden künftig ohne den Namen Amiga in die Produktpalette von Gateway integriert werden.

Mit anderen Worten: Dass, was wir als User Amiga nennen würden, gehört jetzt Amino.

Aber wer ist Amino? Amino besteht im wesentlichen aus zwei Personen: Fleecy Moss und Bill McEwen. Wer die Geschehnisse um Amiga, Inc. und Gateway in den letzten Jahren mitverfolgt hat, dem sind diese beiden Namen nicht ganz unbekannt.

Bill McEwen war bei Amiga, Inc. als "Head of Marketing and Software Evangelism" angestellt. Er verließ die Firma Amiga nur wenige Tage vor Jim Collas, ebenfalls nicht ganz freiwillig. Bevor Bill bei Amiga, Inc. anfing, war er bereits bei einigen anderen namhaften Computerfirmen tätig, hatte aber vorher nichts mit dem Amiga zu tun. Dennoch war er sofort von den Fähigkeiten des (Original-)Amiga angetan, und wurde sehr schnell überzeugtes Mitglied der Amiga-Gemeinde und Fürsprecher der von Jeff Schindler sogenannten "Amiga Classics". Dabei verlor er selbstverständlich nicht den Sinn für die Notwendigkeit neuer Hard- und Softwareentwicklungen aus den Augen. Er war also gleichfalls Fürsprecher des von Collas` angedachten sogenanntem AmigaMCC.

Bill McEwen musste Amiga, Inc. wenige Tage vor Jim Collas verlassen. Während Jim Collas angeblich aus "privaten Gründen" die Firma verlassen hat, machte Bill nie einen Hehl daraus, dass sein Vertrag nicht verlängert worden ist. Obwohl Bill kein langjähriger Amiga-Fan ist, hat er den Amiga und seine User in der kurzen Zeit nicht nur zu verstehen und schätzen gelernt, sondern auch das Vetrauen alter Amiga Gurus wie Dave Haynie und Carl Sassenrath gewinnen können.

Fleecy Moss kennen die Meisten ebenfalls aus seiner Zeit bei Amiga, Inc.. Aus seiner Zeit vorher ist wenig bekannt. Er selbst erzählte in einem Interview mit der inzwischen eingestellten Zeitschrift CU Amiga (Ausgabe Oktober 98, Seite 30f.) ein wenig über sich: "Ich bin Brite und arbeite zur Zeit in den USA. Ich bin Projektmanager und Systemarchitekt, verantwortlich neu eingeführte Spezialcomputersysteme einzuführen. Ich bin Amiga-User seit 8 Jahren (das Interview stammt von Sommer '98, Anm. d. Übers.), und habe mit einem Commodore Pet und VC 20 agefangen, als ich 11 war. Was ich hoffe dem Amiga geben zu können, ist Respekt vor seiner Philosophie und Gemeinschaftsidealen, ebenso wie ein gutes Gefühl für die Zukunft der Computer und der digitalen Informationsrevolution."

Fleecy Moss war nach Joe Torre die zweite wichtige Person bei Amiga, Inc., dessen Vertrag nicht verlängert wurde. Nach seiner Entlassung hat Fleecy das Projekt KOSH ins Leben gerufen. KOSH soll das "Hardware-Gegenstück zu Linux" werden, also eine neue Computer Plattform nach den Wünschen und Bedürfnissen der User, entwickelt als Open Source. Natürlich ist auch Fleecy klar, dass so ein Ziel nicht kurzfristig zu erreichen ist. Als Gateway dann die AmigaMCC-Pläne kippte, hat Joe Torre zusammen mit Bill McEwen Amino ins Leben gerufen. Viel wurde über diese Firma nicht bekannt. Erstmalig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen ist man durch die enge Verbindung zu Phoenix, einem Zusammenschluss verschiedener Amiga-Händler und Entwickler, mit dem Ziel, gemeinsam eine neue Plattform als Alternative zum Amiga zu schaffen. Diese gemeinsame Plattform sollte nach den ursprünglichen Ideen auf PPC-Rechnern basieren, als Betriebsystem sollte QNX eingesetzt werden. Beides war bei der Gründung von Phoenix, bzw. Amino nicht beschlossene Sache, sondern Diskussionsgrundlage für die gemeinsamen Planungen.

Was hat der Verkauf von Amiga an Amino nun zu bedeuten? Es ist klar, dass der neugegründete Zweimannbetrieb nicht die Mittel hat, innerhalb kürzester Zeit selbst das AmigaOS weiterzuentwickeln und neue Hardware bauen zu lassen. Aber das ist auch nicht zwangsläufig notwendig. Um eine Vorstellung zu bekommen, was uns künftig erwartet, empfehle ich, sich die Seiten von Phoenix mal genauer anzusehen. Der wesentliche Unterschied wird wohl nur darin bestehen, dass man keine alternative Plattform zum Amiga entwickeln wird, sondern die Amiga Plattform weiterentwicklen wird. Grob vereinfacht wird es darauf hinauslaufen, dass Amiga/Amino die Marschrichtung vorgibt, zahlreiche andere Firmen jedoch ebenfalls neue Amigas bauen. Damit hätten wir im Amiga-Bereich eine ähnliche Situation wie im PC-Bereich, wo durch viele Firmen auch viele spezielle Wünsche von Anwendern berücksichtigt werden können. Diese Vorgehensweise hat mehrere Vorteile: die notwendigen Inverstitionen verteilen sich auf mehrere Schultern. Außerdem gibt es für die User eine erhöhte Sicherheit, da die mögliche Pleite einer einzelnen Firma nicht gleich den ganzen Markt gefährdet. Damit wird Amiga als Plattform auch wieder für Neueinsteiger interessant.

Ob die künftigen Rechner unter einem weiterentwichkelten AmigaOS, oder QNX oder was auch immer laufen werden, oder ob die neuen Rechner einen PPC haben werden, darüber kann man nur spekulieren. Fest steht jedoch, dass auch vor dem Kauf an der Zukunft gearbeitet wurde, und man jetzt nicht wieder bei Null anfangen muss. Insbesondere darf noch spekuliert werden, wie neue Userschichten erreicht werden sollen. Mit Sicherheit ist auch über dieses Thema nachgedacht worden.

Ich bin überzeugt, dass noch einige Überraschungen unmittelbar bevorstehen. (ps)

[Meldung: 01. Jan. 2000, 08:00] [Kommentare: 0]
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