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01.Dez.2000
AMIGA-Magazin


AmigaOS 3.9 - Gelungene Überraschung?
Eigentlich wollten wir selbst einen Artikel zum neuen AmigaOS 3.9 schreiben, fanden aber den Artikel in der Printausgabe des AMIGA Magazin 01/2001 von Martin Steigerwald so perfekt, dass wir den Redakteur Jörn-Erik Burkert um Erlaubnis gebeten haben, diesen auf amiga-news.de veröffentlichen zu dürfen. Dafür ganz herzlichen Dank.

Ich selbst bin Betatester des neuen OS und kann von daher Martin Steigerwalds Artikel nur voll und ganz unterstreichen. Allen Unkenrufen in diversen Foren und Kommentaren zum Trotz hat Haage & Partner in einem zeitlich unglaublich eng bemessenen Rahmen zusammen mit unzähligen Programmierern und Betatestern eine sehr gute und vorzeigbare Leistung vollbracht. Ich möchte bereits jetzt die vielen neuen Features nicht mehr missen und bin davon überzeugt, dass sich die Anschaffung lohnt.

AmigaOS 3.9 Gelungene Überraschung?
(© AMIGA Magazin - Autor: Martin Steigerwald)

Die Ankündigung des AmigaOS 3.9 kam für viele unerwartet. Wenige konnten sich vorstellen, noch dieses Jahr eine neue Version des AmigaOS in den Händen halten zu können. Nichtsdestotrotz entwickelte Haage&Partner mit vielen Partnern das neue OS. Lesen Sie in diesem ersten Überblick, welche neuen Features es bietet, und urteilen Sie selbst, ob die Überraschung gelungen ist.

AmigaOS 3.9 wird als CD-ROM geliefert. Wem die Online-Hilfe des Betriebssystems nicht ausreicht, kann sich eine gedruckte Version bei Haage&Partner bestellen. Dabei handelt es sich um ein Tips&Tricks-Buch, das die Neuerung von AmigaOS 3.9 leicht verständlich beschreibt.

AmigaOS 3.9 enthält sowohl völlig neu implemente große Features, wie z.B. das Dockprogramm »AmiDock«, wie auch viele Detailverbesserungen und Bugfixes. Zudem integriert es bewährte 3rd-Party-Tools: Früher nur als Patch erhältliche Features wie der FontCache oder die Konfiguration von asl-Dateidialogfenstern sind nun fest ins OS integriert, Tools wie »RAWBInfo« und »ViNCEd« erleichtern das tägliche Arbeiten. Die Beschreibung der neuen Features im Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und beruht auf einer Vorab-Version von AmigaOS 3.9. Die hier beschriebenen Features sind jedoch bereits implementiert und gelten als sicher.

Vereinfachte Installation

Die Installation wurde gegenüber AmigaOS 3.5 deutlich vereinfacht. Es ist nicht mehr notwendig AmigaOS 3.1 vorher zu installieren. Auch ist kein Neustart des Systems mehr notwendig. Es gibt zwei Installationsarten: Die Update-Installation aktualisiert ein vorhandenes AmigaOS 3.5 und kopiert nur die seitdem neuen Piktogramme. Die Voll-Installation installiert AmigaOS 3.9 - inklusive aller benötigten Dateien von AmigaOS 3.5 und AmigaOS 3.1 - inklusive aller GlowIcons.

Die Voll-Installation erlaubt auch die schnelle Neu-Installation des Systems, wenn man von einer vorher erzeugten Notfall-Diskette gebootet hat. So ist selbst beim Totalausfall einer Festplatte AmigaOS 3.9 sehr einfach und schnell neu installierbar. Die Notfall-Diskette unterstützt dabei wie bei AmigaOS 3.5 auch RTG-Systeme und AGA-31KHz-ScreenModes. So benötigt man auch im Notfall in der Regel keinen 15 KHz-Monitor mehr.

Gut angedockt?

»AmiDock« erleichtert die Arbeit mit der Workbench enorm. Um Programme zu starten, muss man sich üblicherweise mit in das entsprechende Verzeichnis durchhangeln und dann das Programm-Ikon doppelt anklicken. Mit »AmiDock« können Sie sich hingegen einfache Schalter-Leisten erstellen, die es erlauben wichtige Programme und Verzeichnisse mit einem einzigen Klick zu öffnen.

Anders als die meisten anderen derartigen Tools unterstützt AmiDock voll und ganz die neuen Farb-Piktogramme. Und - vielleicht das wichtigste Feature - es ist extrem einfach und schnell zu bedienen. Wo Sie bei anderen Programmen erst ein Konfigurationsfenster öffnen müssen, ziehen Sie bei »AmiDock« einfach die Piktogramme der gewünschten Verzeichnisse und Programme in ein Dock. Beim Fallenlassen werden Sie dann automatisch hinzugefügt.

So lassen sich Docks in Windeseile erstellen, da sie nicht jeden Schalter einzeln konfigurieren müssen. Zudem gibt es für bestimmte Verzeichnisse Vorgabe-Konfigurationen: AmiDock liest so zum Beispiel einfach das »Prefs« ein und stellt alle Voreinsteller in einem Dock dar.
Auch die Anpassung der Größe des Docks ist denkbar intuitiv. Anstatt in einem Konfigurationsfenster die Anzahl der Zeilen und Spalten angeben zu müssen, ziehen Sie das Dock einfach mit der Maus auf die gewünschte Größe. Das Dock wird dann auf die entsprechende Breite oder Höhe festgestellt. Dies zeigt AmiDock durch eine schmale Griffleiste an. Mit einem Klick auf diese, wird die Größe wieder freigegeben. Oder man zieht das Dock gleich auf eine neue Größe.

Neben dem Aufrufen von Programmen unterstützt AmiDock auch das Öffnen von Verzeichnissen mit der Workbench sowie das Aufrufen von Programmen mit Argumenten: So lassen sich z.B. einen Text auf den Schalter ziehen, der zum Beispiel den Editor »EditPad« startet, um ihn gleich automatisch von EditPad einlesen zu lassen.

Komfortablere Workbench

Auch sonst ist beim Arbeiten mit der Workbench Einiges komfortabler geworden: Viele neue Helfer unterstützen bei der täglichen Arbeit. »RAWBInfo« stellt ein wirklich funktionsreiches Workbench-Informations-Fenster mit schöner ReAction-Oberfläche zur Verfügung. So können ein Piktogramm gar mit einem anderen Bild versehen, das via Datatypes eingeladen wird.

Damit die Workbench auch mit Dateien sinnvoll umgehen kann, die kein eigenes Piktogramm haben, gibt es »DefIcons«. Dieses Programm versieht Dateien ohne Piktogramm nach ihrem Dateityp mit einem Vorgabe-Piktogramm. So lassen sich auch Bilder und Texte ohne Piktogramme mit einem einfachen Doppelklick starten. DefIcons ist dabei über einen eigenen Voreinsteller konfigurierbar.

Wer sich, ein bisschen neidisch auf den Apple oder Windows, schon immer einen Abfalleimer direkt auf der Workbench gewünscht hat, bekommt dieses Feature in OS 3.9. Mit »BenchTrash« ist das kein Problem. Dieses Programm löscht Dateien, die man auf den Abfalleimer wirft, entweder gleich oder verschiebt sie in ein bestimmtes Verzeichnis. Aber das ist noch nicht alles: Wer schon immer einmal eine CD wie beim Mac auswerfen wollte, kann dies nun tun. Einfach das CD-Piktogramm auf den Abfalleimer fallen lassen und los geht es! Praktisch ist auch die Funktion, den Abfalleimer regelmäßig aufzuräumen und alle Dateien zu löschen, die älter als eine bestimmte Anzahl von Tagen sind.

Auch für eine neue Uhr ist gesorgt worden: »WBClock« stellt sich selbst als animiertes AppIcon auf der Workbench dar. Sie ist dabei sogar wahlweise transparent, was mitunter sehr gut aussieht.

Sehr praktisch ist auch die Suchfunktion der Workbench. Diese wird über ein externes Programm namens »Find« realisiert, das sich über das Workbench-Menü »Fenster/Suchen« oder einzeln starten lässt. Je nach Startweise und Einstellung erlaubt es die Suche im aktuellen Workbench-Verzeichnis oder einer oder mehreren Festplatten-Partitionen. Dabei kann nicht nur nach Dateinamen gesucht werden, sondern auch nach Inhalten (z.B. Stichwörter). Ein Doppelklick auf einen gefundenen Datei versucht eine sinnvolle Aktion mit ihr durchzuführen: So lässt sich zum Beispiel ein selten benutztes Programm suchen und direkt aus Find heraus starten.

LhA-, LZX- aber auch Archivdateien anderen Formats (s. »Features«) können dank der Einbindung »xad« in AmigaOS 3.9 mit einem einfachen Doppelklick entpackt werden. »xad« unterstützt sehr viele Formate. So wird dem User wenn überhaupt nur noch selten ein Archiv begennen, das er nicht entpacken kann. Entsprechende Programmierkenntnisse vorausgesetzt, kann man sich selbst eine Entpackroutine schreiben. »xad« lässt sich auch über Shell-Befehle ansprechen.

Mehr Multimedia

Aber auch im Bereich Multimedia hat sich einiges getan. PlayCD, der etwas schmucklos daherkommende CD-Abspieler von AmigaOS 3.5, wurde gründlich aufgemotzt: Das Programm unterstützt nun Skins. Ein weiterer Vorteil: PlayCD braucht nun im Regelfall nicht mehr konfiguriert zu werden, sondern sucht sich ein passendes CD-Laufwerk gegebenfalls von selbst.

»ACTION« spielt Quicktime- und AVI-Movies wahlweise in einem eigenen Screen oder in einem Fenster auf der Workbench ab. Es ist dabei sehr schnell. Auch auf nicht so gut ausgerüsteten Amigas lassen sich noch akzeptable Ergebnisse erzielen. Die Bedienelemente erlauben das Starten und Stoppen des Films, das Einstellen der Lautstärke sowie das gezielte »Durchblättern« des Films mit Hilfe eines Schiebereglers.

»Amplifier« spielt neben MPEG3-Musikdateien auch AIFF- und WAV-Sounddateien ab. Er verfügt über lad- und speicherbare Titellisten, unterstützt ebenfalls Skins und kann die Musik entweder über den Amiga-Soundchip Paula oder eine Soundkarte ausgeben. Dabei werden die Standards AHI und X-Audio unterstützt. Ein X-Audio-Treiber für den Paula-Soundchip wird mitgeliefert. Musik-Dateien lassen sich von der Workbench einfach auf die Abspielliste ziehen, um sie hinzuzufügen.

Der mit dem AmigaOS 3.5 ausgelieferte »AWeb SE 3.3« wurde auf die neue Version von »AWeb« aktualisiert. Diese Version unterstützt nun auch »FONT FACES«. So können Sie den passenden Zeichensätzen Webseiten schöner und originalgetreuer anzeigen. Zudem wurde der JavaScript-Support verbessert und vieles weitere mehr. Und damit es mit dem Surfen auch gleich losgehen kann, enthält AmigaOS 3.9 die Vollversion von »Genesis« mit ReAction-Oberfläche. Einzig der Genesis-Voreinsteller konnte wegen seines Umfangs nicht rechtzeitig auf ReAction umgestellt werden. Wer MUI installiert hat, kann diesen Dennoch nutzen -- ansonsten muss man MUI installieren. Das macht aber der verbesserte Genesis-Wizard wieder wett, mit dem es sehr leicht ist, anhand der Provider-Datenbank einen Internet-Zugang zu konfigurieren.

Mächtige Konsole

Neben all den Erweiterung der Workbench und den Abspielprogrammen kommen aber auch Shell-Freaks bei dem neuen Update nicht zu kurz: Als Console-Handler für Shell-Fenster wird nun der mächtige »ViNCEd« verwendet.

Ab sofort haben alle Konsolen-Fenster also Scrollbalken, mit dem man bereits aus dem Fenster gescrollten Text wieder sichtbar machen kann. Aber auch an die Tippfaulen Shell-User wurde gedacht: Mit der TAB-Taste lassen sich nun unvollständig eingegebene Datei- oder Verzeichnisnamen komplettieren. Dabei sucht »ViNCEd« je nach Einstellung nicht nur im aktuellen Verzeichnis nach passenden Einträgen, sondern z.B. auch in der Liste der Zuweisung (Assigns) oder im Kommandosuchpfad. Wenn »ViNCEd« nur einen Eintrag findet, wird sofort komplettiert, ansonsten öffnet sich ein asl-Dialogfenster mit allen Einträgen zum Auswählen. Praktischerweise arbeitet die Komplettierung auch mehrstufig: Gegenenfalls wird bis zur ersten Stelle komplettiert, an der es mehrere Einträge gibt. Durch die Eingabe eines Buchstabens oder durch das Drücken der TAB-Taste und die Auswahl eines Eintrags lässt sich der Vorgang fortsetzen. »ViNCEd« ist sehr vielseitig konfigurierbar und bietet viele weitere Features:
  • vollständige ANSI-Emulation
  • Grafikkarten-Unterstützung
  • Makros - damit lassen sich zum Beispiel die F-Tasten mit häufig benutzten Befehlen und Funktionen nutzen
  • konfigurierbare Tastatursteuerung
  • Jobkontrolle, wie von Unix-Shells bekannt

Und sonst?

Auch sonst gibt es noch eine ganze Reihe interessanter und nützlicher Features: So sorgt der in die neue »diskfont.library« integrierte FontCache für die schnellere Anzeige von Zeichensatz-Auswahldialogen. Das Feature ist für die Anwendungen völlig transparent implementiert, lässt sich aber auch für einzelne Verzeichnisse abschalten. Neu installierte oder entfernte Zeichensätze werden automatisch erkannt und die Cache-Datei entsprechend aktualisiert.

Auch »Asl« wurde erweitert. Mit einem Voreinsteller lassen sich Position, Größe und Sortierreihenfolge von Asl-Requestern einstellen. Auch dies ist kein Patch mehr, sondern wird ganz »offiziell« über die neue »asl.library« und das neue »IPrefs« geregelt. Der »text.datatype« unterstützt nun das Suchen im Text sowie das Markieren von Textteilen. Markierte Textteile werden dabei praktischerweise automatisch in die Zwischenablage kopiert. Auch das »string.gadget« wurde erweitert: So kann man in allen Texteingabefeldern in ReAction-Programmen nun zeichenweise Text markieren oder die letzte Änderung zurücknehmen.

Ein nettes Detail ist auch die neue »Test«-Funktion des Bildschirmmodus-Voreinstellers »ScreenMode«. So müssen Sie nicht länger im Dunkeln tappen und eventuell neu booten, falls die neu ausgewählte Auflösung wider Erwarten doch nicht dargestellt werden kann.

Neue Features
  • AmiDock: Völlig neugeschriebenes und extrem leicht zu bedienendes Dockprogramm. Der schnelle Weg, einfach Programme zu starten oder bestimmte Verzeichnisse zu öffnen
  • Integration von Workbench-Erweiterungen: »RAWBInfo« bietet ein schön gemachtes und funktionsreiches Workbench-Informationsfenster, »DefIcons« ein Default-Ikon-System
  • Erhöhte Kompatibilität: »newiconemu« erlaubt es die neuen Farb-Piktogramme (»V44-GlowIcons«) auch mit NewIcon-fähigen Programmen zu bearbeiten
  • Neue Tools: »BenchTrash«, der Abfalleimer auf der Workbench, der sich frei konfigurieren lässt, »WBClock«, die Uhr, die ein Ikon ist, sowie »IoMegaTools«, das Tool für ZIP- und JAZ-Laufwerke
  • Erweiterter PowerPC-Support: WarpOS V5 wird mitgeliefert, neuer »picture.datatype« unterstützt PPC
  • Mehr Multimedia: Neue Version von »PlayCD« mit Skin-Support und vielen Bugfixes, QuickTime- und AVI-Movieplayer »ACTION«, MPEG3-, AIFF- und WAV-Musikabspieler »Amplifier«
  • Genesis: Der TCP/IP-Stack für lokale Netzwerke und Internet-Anbindung -- weitgehend bereits mit ReAction-Oberfläche
  • xad: Das Archiv-Entpack-System. Entpacken Sie Archive auf der Workbench einfach mit einem Doppelklick. Unterstützt LhA, LZX, ZIP, RAR, ARJ, DMS und sehr viele weitere Formate
  • ViNCEd: Neuer Console-Handler mit Scrollbalken, Dateinamen-Komplettierung, ANSI-Emulation und vielen anderen praktischen Features
  • AWeb 3.4 SE: Der im AmigaOS 3.5 enthaltene Browser wurde aktualisiert. »FONT FACE«-Unterstützung, verbesserter Javascript-Support und vieles weitere mehr
  • Find: Erlaubt das Suchen nach Dateiname oder Dateiinhalt auf mehreren Partitionen. Lässt sich direkt aus dem Workbench-Menü aufrufen.
  • Asl-Dialogfenster: Es gibt nun ein Voreinstellungsprogramm zur Einstellung der Größe von und der Sortierreihenfolge in Dateidialogfenstern
  • text.datatype: Erlaubt nun das Suchen im Text und das Kopieren markierter Textteile in die Zwischenablage
  • Neue Gadgets: Der Farbkreis (»colorwheel.gadget«) und der Helligkeitsregler (»gradientslider.gadget«) unterstützen nun Bildschirme mit 65000 oder 16 Millionen Farben, das neue »string.gadget« bietet zeichenweises Markieren, Undo und vieles mehr
  • Neuer Fontcache: Beschleunigte Anzeige von Zeichensatz-Auswahlfenstern
  • rexxmathlib.library: Neue Mathe-Funktionen für ARexx
  • Viele Bugfixes: Neue Mathe-Libraries mit bedeutenden Bugfixes, Bugfixes in ReAction, Workbench u.v.a.m.
(ps)

[Meldung: 01. Dez. 2000, 03:02] [Kommentare: 0]
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