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17.Jun.2002
Autor: Mirko Naumann


Test: Voodoo5 5500 PCI im Amiga
Seit einiger Zeit besteht nun auch für den Amiga dank PCI-Erweiterungen die Möglichkeit, kostengünstige und leistungsstarke Graphikkarten aus dem PC-Bereich einzusetzen. Die Voodookarten der ehemaligen Hardwareschmiede 3dfx erfreuen sich dabei immer größerer Beliebtheit.

Für die meisten User ist die Voodoo3 3000 PCI die erste Wahl, da sie nicht nur günstig, sondern auch noch in größeren Mengen bei Amigahändlern verfügbar ist. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut, wer aber maximale Performance und hohe Frameraten für 3D-Spiele sucht und über keinen AGP-Slot verfügt, der kommt an einer Voodoo mit VSA-100 (Voodoo Scalable Architecture) Chip (Codename: Napalm) nicht vorbei (außer es schreibt jemand Treiber für die neuen GeForce4-PCI-Graphikkarten).

Zurzeit sind 2 Voodookarten mit diesem Chip im Amiga einsetzbar, die Voodoo4 4500 PCI (1 VSA-100, 32 MB) und die Voodoo5 5500 PCI (2 VSA-100, 64 MB). Die AGP-Versionen dieser beiden Karten und die "Superkarte" Voodoo6 6000 AGP (4 VSA-100, 128 MB) werden jedoch wohl nie in einem Amiga zu sehen sein, aber ich denke mal, das können wir verschmerzen, schließlich sind die AGP-Versionen nicht wirklich schneller. Sollte AGP in absehbarer Zeit wirklich im Amiga Einzug halten, sei es via SharkPPC+, Pegasos oder AmigaOne, so wären wir mit moderneren Karten mit Radeon- (ATI) oder Parhelia- (Matrox) Chips weitaus besser bedient.

Kommen wir mal auf die Voodoo4 und das Topmodell Voodoo5 zurück. So mancher hat sich bestimmt schon überlegt, ob nicht eine dieser beiden Karten besser wäre als eine Voodoo3. Eine Zeit lang war ja viel die Rede davon, dass der Avenger-Chip der Voodoo3 mit Warp3D-Treibern unterstützt wird - das Thema Voodoo4 oder sogar Voodoo5 fiel dabei aber irgendwie unter den Tisch. Um gleich eines vorweg zu nehmen - diese beiden Karten laufen BESTENS unter Warp3D! Der verwendete Treiber ist allerdings nur ein geringfügig angepasster Voodoo3-Treiber. Da der VSA-100 zum Avenger voll abwärts kompatibel ist, gibt es hier in soweit keine Probleme. Es fehlen eben nur ein paar Features wie z.B. FSAA (Full Screen Anti Aliasing), SLI (Scan Line Interleave) und für filmische Spezialeffekte, der T-Buffer.

Was ist FSAA? Bei etwas älteren 3D-Shootern wie z.B. NemacIV, Alien Breed und anderen ist es so, dass wenn man sich z.B. einer Wand nähert, die Texturen vergrößert werden. Dabei werden dann aber auch die Pixel größer, das Bild wirkt gröber und das sieht dann qualitativ nicht sehr hochwertig aus. Mit eingeschaltetem FSAA hingegen, werden feine Übergänge mit eigenen Farbwerten zwischen den einzelnen Pixeln berechnet. Nähert man sich dann dieser Wand, so kann man die einzelnen Pixel der Textur nicht mehr erkennen. Objekte wirken dadurch viel realer und man muss sich nicht mehr mit roher Pixelgraphik begnügen.

Bei der Voodoo4 ist FSAA nur eingeschränkt benutzbar, denn hier reicht die Leistung nicht aus, um in höheren Auflösungen eingesetzt zu werden. Mit einer Voodoo5 hingegen könnte man sogar 2x FSAA (4-fach sampling), in Auflösungen bis 1024x768 32bit genießen. Bei noch höheren Auflösungen würde die Framerate aber ziemlich schnell einbrechen und die ganze Szene ruckeln.

Für eine bessere grafische Darstellung verfügt die Voodoo5 über einen Prozessor für filmische Effekte, den sogenannten T-Buffer, der das Aussehen von 3D-Graphiken ändert und Spielen neue, dramatische Optikeffekte wie Feldtiefenfokus, Bewegungsunschärfe, weiche Schatten und weiche Spiegelungen, verleiht. Zusammen mit der Unterstützung der FXT1 und DXTC Musterkomprimierung und Texturen bis zu einer Größe von 2048x2048 vermag der T-Buffer 3D-Landschaften wesentlich realistischer darzustellen. Die Musterkomprimierung verringert die nötige Bandbreite ohne die Farbtiefen zu beeinflussen. Dadurch können deutlich höhere Auflösungen bei gleichbleibender graphischer Qualität erreicht werden.

Weitaus wichtiger wäre aber auf jeden Fall die Unterstützung von SLI! SLI ist eine Technik, die bei Graphikkarten mit mehreren Graphikprozessoren ihre Anwendung findet. Mit nur einer Ausnahme, der Voodoo3, verfügen alle Voodookarten - sogar das ehemals geplante Paraglide-Modul für die PicassoIV (Voodoo1, 8 MB) - über dieses Feature. Ähnlich wie bei Multiprozessorsystemen, wird die Arbeit auf mehrere Chips verteilt. Bei der Voodoo5 funktioniert das dann so, dass der eine Chip die geraden und der andere die ungeraden Zeilen eines Bildes berechnet. Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass jeder Chip nur die Hälfte der Arbeit machen muss und somit schneller fertig wird. SLI verdoppelt auf diese Weise die mögliche Framerate und die Bandbreite der Voodoo5 steigt auf 5,32 GB/s. Zum Vergleich: die Bandbreite der ATI Radeon 8500 liegt bei etwa 9,6 GB/s. Mit 4 Chips wie bei der Voodoo6 lassen sich sogar satte 10,64 GB/s erreichen. Das Spiel lässt sich natürlich auch noch weiter treiben. Der VSA-100 wurde so konstruiert, dass bis zu 32 Graphikchips gleichzeitig arbeiten können. Wäre 3dfx nicht Pleite gegangen, so hätten nVidia und die anderen Graphikkartenhersteller dem nichts entgegen setzen können.

So viel Rechenleistung hat aber auch ihre Nachteile. Karten mit VSA-100 Chips benötigen sehr viel Strom. Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine Voodoo5 in seinen Rechner einzubauen, sollte über ein genügend starkes Netzteil verfügen. Die Karte saugt unter Belastung schon mal bis zu 80 Watt. Deswegen wurde beim Nachfolger Voodoo6 gleich standardmäßig ein zweites Netzteil mitgeliefert.

Die fehlende Unterstützung von SLI führt bei den aktuellen Treibern dazu, dass auf der Voodoo5 sowohl im 2D- wie auch im 3D-Bereich nur 1 Graphikchip arbeitet! Daher müssten die beiden Graphikkarten Voodoo4 4500 PCI und Voodoo5 5500 PCI im Amiga momentan etwa die gleichen Leistungswerte aufweisen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das mit der Einführung von AmigaOS 4.x und Nova endlich ändert.

Dennoch kann ich diese beiden Karten - insbesondere die Voodoo5 - nur empfehlen. Leistungsmäßig überbieten sie im Amiga alles bisher Dagewesene! Die Voodoo3 mag bei kleineren Auflösungen ja noch so einigermaßen mithalten, wenn es aber um hohe Auflösungen geht, dann sinkt die Framerate dramatisch, während sie bei der Voodoo5 noch relativ konstant bleibt. Auf den Seiten von AmigaSpeed können Sie sehr gut die Leistungswerte der verschiedenen Karten miteinander vergleichen. Ich werde in Kürze noch weitere Benchmarkdaten (unter anderem zu Quake und HereticII) liefern, die Sie dort dann ebenso finden werden.

Was die Bildqualität angeht, so findet sich auf dem Amiga jedoch nichts Vergleichbares. Payback sieht in 1024x768 bei sehr flüssigen 27 fps ("Drehen an" 21 fps) und 1280x1024er Auflösung bei immer noch 24 fps ("Drehen an" 19fps) einfach atemberaubend aus!

Ich habe zusätzlich noch eine WinTV Modell 718 von Hauppage in meinen Amiga eingebaut. Fernsehen auf der Workbench kannte ich ja schon von meiner PicassoIV her. Da musste ich mich aber mit 800x600 bei 85 Hz oder weniger begnügen. Mit einer Voodoo5 liegen die Grenzen hier jenseits der Leistungsfähigkeit derzeitiger Monitore. Mittels PIP (Picture in Picture) kann ich auf meinem 17-Zöller so in Auflösungen bis 1600x1200 bei 32bit ohne jegliche Prozessorlast fernsehen! Leider packt mein Monitor dann nur noch 77 Hz Bildwiederholrate. Die Bildqualität ist aber auch hier unübertroffen! Selbst bei kleineren Auflösungen wirkte das Bild nie pixelig.

An dieser Stelle will ich noch die Eckdaten der möglichen Auflösungen aufzeigen. Unter Picasso96 sind 8-, 16-, 24- und 32-bit (2D und 3D) Bildschirme möglich, wobei sich 32-bit Modi für die Workbench am besten eignen. Von 24-bit Modi rate ich ab, da sie in den meisten Anwendungen langsamer sind. Die maximale Bildwiederholrate in Echtfarben beträgt bis 800x600 160 Hz, bis 1152x864 120 Hz, bis 1600x1200 100 Hz, bis 1920x1200 85 Hz und bis 2048x1536 75 Hz. Bei geringeren Farbtiefen sind natürlich höhere Bildwiederholraten bis maximal 160 Hz möglich. Allerdings dürfte es keinen Monitor geben, der die Karte auch nur annähernd ausreizen kann. Beim Erstellen von Bildschirmauflösungen sollten daher auf jeden Fall die Monitordaten zu Rate gezogen werden, sonst drohen irreparable Schäden!

Für alle Technikbegeisterten hier noch eine Zusammenfassung der wichtigsten Daten der Voodoo5 5500 PCI:
  • Hersteller: 3dfx / STB
  • Voll integrierter 128bit 2D/3D/Video Beschleuniger
  • 2 VSA-100 Graphikchips (SLI-fähig) in 0,25 µm (Mikron)
  • 64 MB Graphikspeicher, von beiden Chips addressierbar
  • Kern-Takt: 166 MHz, RAMDAC: 350 MHz
  • 667 Megapixel/s und 667 Megatexel/s gleichzeitig
  • V 2.1 PCI-Schnittstelle, 66 MHz, busmasterfähig
  • SVGA-Monitoranschluss
  • 2-fach Echtzeit Hardware FSAA (4-fach sampling)
  • T-Buffer Technologie für filmische Effekte
  • vollständige 128-bit 2D-Hardware
  • 32-bit 3D-Farbrenderer
  • 32-bit Pipeline für Texturrenderer
  • 24-bit Fließkomma Tiefenpuffer (Z&W)
  • 8-bit Pinselpuffer
  • Unterstützung für Texturen bis 2048x2048 Pixel
  • 3dfx FXT1 und Microsoft DXTC Musterkomprimierung
  • Single Pass, Single-Cycle Multitexturierung
  • Palettenorientierte Texturunterstützung
  • DVD-Hardwareunterstützung
  • 10 Jahre Garantie! (das ist jetzt aber nVidias Problem)
Fazit: Mit der Voodoo5 5500 PCI und auch der Voodoo4 4500 PCI existieren zwei leistungsstarke und qualitativ hochwertige Graphikkarten für mit modernen PCI-Boards ausgestattete Amigas, die in ihrer Leistung nur von AGP-Karten übertroffen werden können. Leider existieren nur noch geringe Restbestände, da nVidia 3dfx aufgekauft hat und von den Händlern verlangt, alle Voodookarten vom Markt zu nehmen. Da heißt es jetzt noch zuschlagen!

Noch ein Tipp an alle, die von CybervisionPPC- oder BVisionPPC-Karten auf Voodookarten umsteigen: Wenn Sie diese Karten zusätzlich benutzen wollen, müssten Sie ein Tool installieren, da sonst die Voodoo ausgebremst wird. Sollte das Tool nicht funktionieren, hilft nur noch die Karten rausnehmen.

Autor: Mirko Naumann (ps)

[Meldung: 17. Jun. 2002, 07:31] [Kommentare: 32 - 18. Jun. 2002, 12:38]
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