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03.Dez.2022



Adventskalender: Tür 3 - Joerg van de Loo
Für die dritte Tür unseres Adventskalenders hat sich der Entwickler Joerg van de Loo viel Zeit genommen, dessen Amiga-seitiges Hauptprojekt der Texteditor BareED ist. Im Gegensatz zu anderen Editoren ist BareED ein RAM-basierter und pixelorientierter (nicht zeichenorientierter) Texteditor für den Amiga. Das bedeutet, es können proportionale Schriftarten (die Zeichen können in der Breite variieren) angezeigt und echte Tabulatoren verwendet werden. Ebenso unterstützt er Syntaxhervorhebung, was eine schnelle CPU (68040 CPU oder besser) erfordert.

Darüberhinaus schreibt er Tools wie zum Beispiel RTF-Riddle zur Konvertierung von RTF-Dateien in das HTML5-Format. Immer lesenswert und von großer Hilfe für andere Entwickler sind seine Kommentare zu diversen Softwaremeldungen auf amiga-news.de. Ein herzliches Dankeschön dafür an dieser Stelle. Seine Anekdote für das dritte Türchen:

Polizei - Freitag, 23. Dezember 1988

Ich bin nach zweiwöchiger Arbeit spätabends (nachts!) Zuhause angelangt und frage umgehend meine Freundin, ob sie die benötigten Kabel zum Anschluss des Monitors bekommen habe, denn derzeit erstrahlt mir alles nur in schwarz-weiß entgegen und zudem lautlos. Zuerst hatte ich den Amiga am Fernseher betrieben, aber jetzt bin ich stolzer Besitzer eines 1084S Monitors, bei dem aber der Beipack nicht beigepackt war...

Sie verneint, und meine Mutter pflichtet ihr bei, dass sie beide alles versucht hätten, diese Kabel auf die Schnelle zu bekommen, was aber unmöglich war. Mist. Ich rufe einen Freund an, von dem ich weiß, dass er spätnachts noch vor seinem Amiga sitzt. Er hat zwar diese Kabel, erübrigen kann er sie aber nicht. Nochmals Mist. Er nennt mir aber eine Telefonnummer eines Amiga-Hardware-Entwicklers mit angelehntem Shop im Umkreis - dort solle ich es mal versuchen.

Ausschlafen geht heute nicht, es ist der 24. Dezember - aber nicht wegen der Vorbereitung auf den Weihnachtsabend, sondern weil ich einfach kaum Schlaf finde, da ich mir den Kopf zermartere, wie ich den ollen 1084 S Monitor an meinen A2000(B) betreiben kann, weil die passenden Kabel nicht beilagen. Ich will eigentlich schon um 7:00 Uhr den Hardware-Entwickler anrufen, verkneife es mir aber bis 9:00 Uhr morgens. Eine freundliche Frauenstimme meldet sich und ich frage nach, ob sie diese Kabel hätten. Sie verweist mich an ihren Sohn. Er meldet sich und gibt zu bedenken, dass heute der 24. Dezember ist. Ja, ja, ja, weiß ich. Ich frage nach, ob er die benötigten Kabel hätte. "Natürlich", ist seine Antwort. Meine nächste Frage ist, wann ich diese abholen könnte. Er meint am 27., seine Mutter ruft dazwischen und sagt, dass sie bis Anfang Januar geschlossen hätten. Aua. Ich will frustriert auflegen, als er sagt, dass er noch eine Stunde im Laden sei. Hmmm, dürften gut und gerne etwas mehr als 40 Kilometer sein - das könnte ich schaffen. Ich sage zu, mich zu beeilen und düse wenig später los.

Meinem Opel Manta mit getunten Motor und Ballon-Reifen (aber ohne Fuchsschwanz und Wackeldackel!) macht dieses Regenwetter nichts aus, und mir auch nicht, da ich als Vielfahrer, der in Süddeutschland arbeitet, mit ganz anderen Witterungsbedingen klarkommen muss. Hier am Niederrhein sind die Fahrer aber anscheinend schon mit diesem Regen überfordert. Ich bin nur am überholen und lege die Richtgeschwindigkeit auf etwas oberhalb der von Autobahnen an. An einer Kreuzung mit Stopp-Schild mache ich eine Vorfahrtachtenstraße draus. Drei Kilometer weiter biegt ein LKW links in meine untergeordnete Straße, so dass ich das Stopp-Schild geflissentlich übersehe und rechts abbiege. Die 70er Zone liegt schnell hinter mir und dann geht es nur noch gerade aus - also muss ich dauernd überholen.

Dann bin ich in der Nähe meines Zieles und muss links abbiegen. Nach fünfzig Metern halte ich rechts an und hole den Faltplan heraus (jo, damals gab es noch keine Navis). Ich orientiere mich - dauert auch nicht lange, denn darin habe ich Übung. Beim Blinker links setzen sehe ich plötzlich Blaulicht hinter mir - oh, Polizei im Einsatz - die lasse ich doch noch eben vorbei. Also Blinker zurückgestellt und gewartet, dass das Polizei-Auto an mir vorbeifährt. 1 Sekunde, 2 Sekunden, 3 Sekunden - nichts. Ich blicke in den Rückspiegel - die stehen jetzt direkt hinter mir! Wollen die etwas von mir? Ich bin mir keiner Schuld bewusst!

Ein Polizist steigt aus und wird umgehend nass ob des Regens. Er klopft an die Scheibe und meint "Allgemeine Fahrzeugkontrolle". Mensch, muss das jetzt sein - ich habe es eilig. Ich öffne das Fenster und er fragt nach den Papieren. Ich händige sie ihm aus. Er fragt mich ob ich wüsste, weshalb sie mich anhielten. Ich verneine. Er belehrt mich: überhöhte Geschwindigkeit, nicht angepasste Fahrweise, zweimaliges Überfahren eines Stopp-Schildes und hätten sie das Blaulicht nicht eingeschaltet, hätten sie den Anschluss verloren. Autsch.

Ob ich nicht das Blaulicht gesehen hätte, fragt er mich. Ich verneine abermals. Mir wird plötzlich klar, dass mir Führerscheinentzug und ein Bußgeld droht, ohne dass mich der Polizist darauf hinweisen muss. Ich steige aus - und werde auch nass. Ich erkläre dem Polizisten, warum ich es so eilig habe - Arbeitsplatz Süddeutschland, Erstwohnsitz Niederrhein, Computer, Monitor, keine passenden Kabel, Weihnachten, Geschäfte zu, Schwarz-Weiß, kein Sound - und alles nur wegen des fehlenden Beipacks - und dass das Geschäft, in dem ich diesen Monitor erstanden habe, erst Mitte des kommenden Januars den fehlenden Beipack nachreichen könnte.

Er erklärt mir, dass das noch lange kein Grund wäre, die Straßenverkehrsordnung zu missachten. Ich gebe zu bedenken, dass ich nachweislich im Jahr mehr als 110-T Kilometer fahre und noch kein Punkt in Flensburg (damals gab es noch diese Institution) hätte, demnach meine heutige Fahrweise eine Ausnahme wäre, und ich einsehen würde, dass ich Bockmist gebaut hätte. Er meint nur: "Warten Sie hier". Er geht mit den Papieren zum Polizei-Auto und steigt ein.

Kurze Zeit später kommt er wieder und eröffnet die Belehrung mit: "Ich habe mich mit meinem Kollegen beraten. Da heute Heiligabend ist und Sie sich einsichtig zeigen, sind Sie mit einem Verwarngeld von 20 DM einverstanden?". Ich kann mein Glück nicht fassen! Natürlich bin ich damit einverstanden! Habe mich im Geiste schon von meinem "Lappen" getrennt. Ich bezahle die 20 DM und höre mir seine Belehrungen an - obwohl wir beide dabei klatschnass werden. Er reicht mir meine Papiere und wünscht mir eine gute Fahrt und ein frohes Weihnachtsfest - dasselbe wünsche ich ihm auch, und das ist ehrlich gemeint! Sie drehen um und ich setze meine Fahrt fort.

Klatschnass drücke ich die Klingel des Privateinganges. Die Mutter des Hardware-Entwicklers öffnet - und meint es gut mit mir und reicht mir ein Handtuch zum Trocknen. Dann leitet sie mich in den eigentlichen Laden, der heute zu ist aber in dem ihr Sohn irgendwelche elektronischen Dinge zusammen baut. Wir machen uns bekannt und er hat auch schon die Kabel, die ich benötige, herausgesucht und auf dem Tresen gelegt. Wie ich mich so umschaue, entdecke ich Diskettenlaufwerke, Speicherkarten und noch vieles Mehr. Wir kommen ins Gespräch und nach einer Weile, bei dem seine Mutter uns unterbricht und zum Aufbruch drängt, verlasse ich das Geschäft mit den benötigten Kabeln und einer 2 MB bestückten 8 MB Speicherkarte sowie ein Zweitlaufwerk.

Tiefenentspannt fahre ich zurück und freue mich riesig auf das kommende Weihnachtsfest. (dr)

[Meldung: 03. Dez. 2022, 14:24] [Kommentare: 5 - 03. Dez. 2022, 19:12]
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