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10.Jun.2000



amiga-news.de: Bericht vom ersten Messetag
Martin Baute hat für Sie einen ersten Messebericht zusammengestellt, der morgen fortgesetzt wird:

Autor: Martin Baute

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(weitere Bilder von der Präsentation.)

Fast eine dreiviertel Stunde hat Bill McEwen in einem drückend heißen "Tagungsraum" (der aus einigen aufgestellten Plastikwänden, einem Pult und viel zu wenigen Stühlen bestand) über die Zukunft von Amiga gesprochen. Zu hören gab es da einiges. Also das Diktiergerät zurückgespult und das Wichtigste zusammengefaßt...

Nachdem der Beamer im fünften Versuch erfolgreich aus dem Standby geweckt war, legte McEwen mit viel Schwung und Humor los ("Welcome to the Amiga sauna..."). Als erstes räumte er das Gerücht aus, Amiga wäre gegenüber Gateway in Zahlungsverzug. Amiga schuldet Gateway kein Geld. Mehr noch, Amiga hätte überhaupt keine Schulden.

Des weiteren wiederholte er die Vorstellung von Dean Brown (DKB) als Director of Hardware; dieser wäre verantwortlich, Referenz-Hardware herzustellen, an der sich interessierte Drittanbieter orientieren könnten. Bereits fertiggestellt wäre ein Spiele-Handheld, der intern von Amiga benutzt würde, um Interessenten aus dem Bereich der Consumer Electronic von den Fähigkeiten des neuen Betriebssystems zu beeindrucken. Basierend auf einem StrongARM mit 250 Mips, mit Anschluß für einen Sony Memory Stick und einem Farbdisplay macht das Gerät wohl eine recht gute Figur - und war nach einer Woche Entwicklungszeit fertiggestellt!

Geheimnisvoll gab sich McEwen beim neuen Vice President of Engineering, den man wohl erst am 10. Juli vorstellen wird, da er im Moment noch für eine andere Firma arbeitet - "one that is large, and is in trouble, you know..." (eine die groß und in Schwierigkeiten ist), dazu die Geste des Zerreißens...

Es folgten Informationen zu den Leistungsdaten der Tao Java-VM, die - so McEwen - 22x schneller in der Bearbeitung von Multimedia-Inhalten sei als jede andere JVM (!).

McEwen machte auch klar, daß er die Gemeinde nicht um Geduld bitten würde. Die Tatsache, daß die Messe stattfindet, daß sich die Zuhörer im (zugegebenermaßen zu kleinen) Raum drängten, wäre Beweiß genug, daß die Amiga-User Geduld hätten - seit fünf Jahren schon. Er machte aber auch klar, daß er und seine Mitarbeiter erst seit genausovielen Monaten daran arbeiten würden, die hoch gesteckten Erwartungen zu erfüllen.

Als ersten Beweis des Erfolges hatte McEwen Amiga SDKs zur Messe mitgebracht, die - wie er ausdrücklich betonte - noch sehr unvollständig wären und sich in erster Linie an den erfahrenen Entwickler wenden; der Endanwender wird noch einige Zeit auf ein greifbares Produkt warten müssen. So wäre z.B. noch keine Unterstützung für Sound, Streaming oder 3D-Grafik im SDK enthalten, diese würden später folgen (3D-Support z.B. in etwa zwei Monaten).

Zu dem immer schon kritischen Thema Marketing gab McEwen zu, daß ein VP of Marketing noch nicht eingestellt worden sei - er hielte es für wichtiger, zunächst einmal ein Produkt zu entwickeln, für das sich ein entsprechendes Marketing auszahlen würde; anstatt in "bester" Amiga-Tradition große Ankündigungen zu machen, die man dann nicht erfüllen kann.

Als nächstes sprach er die ursprünglichen Pläne an, eine Entwicklerbox als Kombination als Hard- und Software anzubieten. Aufgrund der negativen Reaktion der Amiga-User hat man sich anders entschieden - was eine Menge an Änderungen und zusätzlichen Programmen (z.B. Installationsskripts) notwendig machte. Nun hätte man die Software des SDK zum Verkauf freigegeben; die HW/SW-Entwicklerbox würde in etwa zwei Wochen folgen.

Amigas Ziel sei "Ubiquity in Computing": Handy, PDA, Multiprozessor-Server, ein neuer Desktop, eine neue Spielkonsole, alles unter dem gleichen Betriebssystem - soetwas hätte es noch nie gegeben.

Dabei wären Anwendungen voll skalierbar. Nachdem man sich als Entwickler entschieden habe, wo man die eigene Anwendung ansiedeln möchte, könne diese selbe Anwendung die "Food Chain" beliebig weit aufsteigen. Ein für einen Handheld geschriebenes Spiel würde also auch auf einem Mehrprozessor-Server laufen. Andersherum würde eine für einen Server geschriebene Anwendung allerdings nicht auf einem Handy laufen - oder besser, nur sehr, sehr langsam...

Vom Betriebssystem bereits unterstützte Prozessoren wären PPC, M.core, X86, StrongARM, ARM, SH/3,4,5, MIPS sowie eine Reihe weiterer Prozessoren, die man (noch) nicht bekanntgeben könnte, weil man unter NDA mit den Herstellern steht.

Anschließend sprach Bill von der JavaOne, einer Messe, die letzte Woche in San Francisco stattfand, und auf der die Tao-Group mit einem eigenen Stand vertreten war. Dieselbe Demonstration, die hier auf der Amiga-Messe gezeigt wurde, lief dort auf einer Sega Dreamcast, Set-Top-Boxen, einem StrongARM Notebook und einem x86er. Allein das hätte die Besucher magnetisch angezogen, und dann hätte man das Handy gezückt, auf dem trotz der geringen Leistung von 3,5 Mips ein Pole Position-Klon gespielt werden konnte. Dies wäre das gleiche Handy gewesen, mit dem Scott McNeilly (SUN) die Bühne der CES im Januar betreten hätte, "ich habe Ihnen gesagt, das wir eines Tages Java auf Geräten wie diesem haben würden" - nur, daß es nicht Suns Java-VM gewesen sei, die auf dem Handy gelaufen wäre...

Auch wäre Linux nicht das einzige Betriebssystem, das als Host für den neuen Amiga in Frage käme. Weitere Hosts wären Windows, WindowsNT, Linux, WindowsCE, QNX und OS/9 (einem OS von Microware, das auf Set-Top-Boxen Marktführer ist). Host-Unterstützung für iTron, Epoc, VxWorks und PalmOS sei in der Entwicklung und kurz vor der Fertigstellung.

Die Zusammenarbeit mit der Tao-Group beleuchtete McEwen in einem ganz neuen Licht. Es sei durchaus nicht so, daß man nur die Produkte von Tao nutzen würde. Vielmehr hätte man Zugriff auf 50 Entwickler bei der Tao-Group, um Dinge herzustellen, die von Amiga benötigt werden.

Weiter hätte man die BOOPSI-Bibliotheken portiert. Diese Portierung sei bereits abgeschlossen, man würde jetzt noch Tests und Optimisierungen durchführen. Die neue Skriptsprache (SHEEP) sei ebenfalls in den nächsten Monaten fertig - die Rechte an ARexx liegen bei einem Dritthersteller, daher hätte man eine neue Sprache entwickelt. Das Stichwort Renderware fiel ebenfalls, auch hierfür würde das neue OS vorbereitet sein.

Dann hatte Bill McEwen ein ganz besonderes Bonbon: Wenn die einzelnen Teile des Betriebssystems zusammengefunden haben, wird es den AmigaOne geben - einen neuen Multimedia-Desktop, entwickelt und designed by Amiga, wenn auch von Drittherstellern produziert. Mehr wollte McEwen so früh noch nicht sagen, der Weg dahin sei noch weit.

Und weil es jetzt kurz nach Zwölf ist, und morgen noch ein Messetag wartet, mache ich jetzt Schluß. Das war erst die Hälfte der Präsentation, über die zweite Hälfte berichte ich morgen... (ps)

[Meldung: 10. Jun. 2000, 23:00] [Kommentare: 0]
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