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15.Okt.2006



Amiga Inc.: Rechtliche Auseinandersetzungen mit Garry Hare
Wie einige kürzlich aufgetauchte Gerichtsunterlagen belegen, haben Amiga Inc. im Oktober 2005 ihren ehemaligen CEO ("Chief Executive Officer", Vorstandsvorsitzender) Garry Hare verklagt, offenbar als Reaktion darauf dass dieser vor einem kalifornischen Schiedsgericht versucht hatte, ihm vermeintlich noch zustehende Gehaltszahlungen in Höhe von rund einer Million Dollar einzuklagen. Die kompletten Unterlagen sind unter dem Titellink zu finden, eine grobe Zusammenfassung der wichtigsten Einzelheiten und des ungefähren zeitlichen Ablaufs haben wir für Sie zusammengestellt:

Im Oktober 2003 wird Garry Hare als CEO von Amiga Inc. eingestellt, die zu diesem Zeitpunkt unter der Bezeichnung "KMOS Inc." operieren. Der für vier Jahre gültige Arbeitsvertrag sieht ein Jahresgehalt von zunächst 300.000 USD vor, vorausgesetzt es "gelingt KMOS Inc. Investitionen in Höhe von mindestens einer Million Dollar zu sichern". Für sämtliche Streitfragen, die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergeben sollten, wird im Vertrag ein kalifornisches Schiedsgericht als Schlichter festgelegt.

Der Arbeitsvertrag wird von Garry Hare sowie Pentti Kouri, dem Aufsichtsratsvorsitzenden (Chairman of Board of Directors) von KMOS, unterzeichnet. Kouri wird in den Schriftstücken mehrfach als größter Anteilseigner von Amiga Inc. bezeichnet.

Da KMOS/Amiga Inc. zunächst nicht über finanzielle Mittel verfügt, arbeitet Hare die ersten neun Monate ohne Entgelt. Am 10. Mai 2004 erhält Amiga Inc. neues Kapital in Höhe von einer Million Dollar, so dass Hare die ausstehenden Gehälter nachträglich bezahlt werden und er fortan monatlich die im Vertrag festgelegten 25.000 USD erhält.

Im Mai 2005 werden die Gehaltszahlungen wieder eingestellt, weswegen Hare am 4. August 2005 seine Kündigung einreicht. Da er damit in seinen Augen die im Vertrag festgelegten Bedingungen für eine "Kündigung aus gutem Grund" erfüllt, stehen ihm seiner Auffassung nach nicht nur die ausstehenden vier Monatsgehälter zu, sondern alle Zahlungen die er über die komplette Vertragslaufzeit bis September 2007 erhalten hätte - insgesamt eine Summe von knapp einer Million USD.

Nachdem Amiga Inc. die Auszahlung dieser Gelder verweigert, initiieren Hares Anwälte am 19. Oktober ein Verfahren vor dem im Vertrag festgelegten kalifornischen Schiedsgericht. Über den Ausgang dieses Verfahrens liegen derzeit keine Informationen vor.

Am 21. Oktober eröffnet Amiga Inc. vor einem New Yorker Gericht ein Verfahren gegen seinen ehemaligen CEO. Mit einer ganzen Reihe von Vorwürfen versucht das Unternehmen den ehemaligen Mitarbeiter zur Zahlung von Schadensersatz zu verdonnern, außerdem will man den Arbeitsvertrag für ungültig erklären lassen um so Hares Forderungen vor dem Schiedsgericht aus dem Weg zu gehen:
  • Hare habe bei den Vorstellungsgesprächen bewußt falsche Angaben gemacht, beispielsweise was seine Kontakte zu potentiellen Investoren angeht, und sich so ein Arbeitsverhältnis erschlichen, für das er gar nicht qualifiziert gewesen sei
  • Hare sei wiederholt durch Inkompetenz und mangelnde Kenntnis von Amigas Produktpalette aufgefallen, was potentielle Investoren von einer Unterstützung des Unternehmens abgeschreckt habe
  • Hare habe Ressourcen des Unternehmens missbraucht, um sein eigenes Produkt namens "Noids" weiterzuentwickeln bzw. potentiellen Investoren vorzustellen

Ein wesentlicher Streitpunkt ist die Frage, ob der Vertrag überhaupt gültig ist. Amiga Inc. interpretieren die eingangs erwähnte Bedingung dass der Vertrag nur Gültigkeit hat, wenn "KMOS Inc. Kapital in Höhe von einer Million Dollar sicherstellen kann" so, dass Hare dieses Kapital hätte auftreiben müssen (beide Parteien sind sich einig dass dies nicht der Fall war), während Hare darauf hinweist dass die Formulierung eindeutig festlege, dass das Unternehmen KMOS Kapital auftreiben müsse, nicht der CEO.

Nach einigen Stellungnahmen beider Parteien zur Frage der Zuständigkeit eines New Yorker Gerichts - Hares Anwälte argumentieren dass abgesehen von einem Briefkasten und dem Wohnsitz des Aufsichtsratsvorsitzenden keinerlei Verbindungen zwischen Amiga Inc., Garry Hare und der Stadt New York bestünden, während Amiga Inc. insistieren dass wesentliche Teile von Amigas Geschäftsbetrieb, wie beispielsweise die Buchführung oder die Sitzungen des Aufsichtsrates in New York stattfinden würden - zieht Hare einige seiner Änträge wieder zurück und konzentriert sich zwecks Beschleungung des Verfahrens auf die Frage nach der Gültigkeit des Verfahrens.

Am 18. Mai 2006 entscheidet das Gericht, dass die im Vertrag formulierte Bedingung eindeutig festlege, dass das Unternehmen KMOS/Amiga Kapital auftreiben müsse, nicht der CEO persönlich. Da dies gelungen sei habe der Vertrag weiterhin Bestand und Streitfragen müssten somit vor dem erwähnten Schiedsgericht in Kalifornien geklärt werden - Amigas Klage wird abgewiesen. (cg)

[Meldung: 15. Okt. 2006, 17:54] [Kommentare: 61 - 22. Okt. 2006, 22:05]
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