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26.Mär.2004
ANN (Webseite)


OpenBSD-Unterstützung für den Pegasos vorerst eingestellt (2. Update)
Nach einer öffentlichen Aussage des OpenBSD-Entwicklers Theo de Raadt am Mittwoch, dass künftige Versionen des Betriebssystems OpenBSD den Pegasos nicht mehr unterstützen würden, hat sich nun mit Dale Rahn der Verantwortliche für die Pegasos-Portierung auf ANN ausführlich zu den Verstimmungen zu Wort gemeldet.

Zusammengefasst wurde Dale Rahn seiner Schilderung nach im Oktober 2003 gebeten, seine bereits früher für den Pegasos I erstellte Portierung zu aktualisieren. Hierdurch erschien die Version 3.4 von OpenBSD dann zeitgleich mit den anderen Systemen auch für den Pegasos.

Am 27. Oktober 2003 wurde er demnach als Angestellter ohne weitere Arbeitgeberleistungen ("non-benefits employee") von Genesi eingestellt mit der Aufgabe, OpenBSD auf den Pegasos II zu portieren und die weitere Betreuung zu übernehmen. Diese Einstellungsvereinbarung erfolgte allerdings lediglich telefonisch durch Bill Buck. Dabei machte Dale Rahn auch klar, dass eine entsprechende Dokumentation nötig sei, um Software zu schreiben und kommerzielle Angebote auf Pegasos-Basis zu betreuen. Hierbei sei ihm erwidert worden, dass deren Bereitstellung kein Problem sei.

In jene Zeit fielen die Gespräche Genesis mit ShopIP über den Pegasos Guardian (amiga-news.de berichtete), ein OpenBSD-basiertes System zum Aufspüren von Eindringlingen in Netzwerke, welches auf der New Yorker InfoSec-Messe unter anderem auch von Dale Rahn vorgestellt wurde (wir berichteten). Bis dahin erschien ihm alles so weit in Ordnung, mit Ausnahme einer kleineren Verzögerung der Gehaltsschecks für den 1. Dezember um neun Tage "aufgrund von Börsenangelegenheiten". Gegen Ende der Veranstaltung lief denn auch diese Frist ab und es wurde der Plan gefasst, die Gehaltsschecks direkt von dort aus an diverse Genesi-Mitarbeiter zu versenden. Da Dale Rahn vor Ort war, erhielt er den Scheck für die Monate Oktober und November direkt.

Dieser Scheck über 10.000 US-Dollar erwies sich hernach aber als auf den 12. November 2001, also zwei Jahre zurück datiert, weshalb die Bank es ablehnte, ihn einzulösen. Später fand Dale Rahn seiner Darstellung nach heraus, dass die übrigen Schecks nie versandt wurden und zudem auf dem genannten Konto Genesis angeblich ohnehin nicht genügend Kapital vorhanden gewesen wäre.

Anfang dieses Jahres dann, mit inzwischen ausstehenden 15.000 US-Dollar an Gehalt, teilte er Genesi mit, dass er gehen werde, wenn er sein Geld nicht erhielte. Daraufhin erhielt er einen Monatslohn, damit er bliebe. Zudem hatte er zwischenzeitlich einen Pegasos II erhalten, so dass er sich nun daran machte, OpenBSD auf diesen zu portieren. Dies jedoch dauerte länger als erwartet, bedingt durch die nicht-standardgemäße PCI-Sondierungsweise der neuen Northbridge.

Trotzdem er anders als zugesagt über keine hinreichende Dokumentation verfügte, um dies akkurat zu erledigen, gelang ihm die Portierung mittels einiger provisorischer Lösungen, welche ihm durch dreifach weitergeleitete E-Mails ermöglicht wurden. Bezüglich des für den Guardian benötigten Gigabit-Ethernet-Treibers aber, das machte er deutlich, ginge es nicht, diesen ohne Dokumentation korrekt arbeitend zu erstellen. Trotzdem er aber ein Genesi-Angestellter war, erhielt er diese Unterlagen von bplan nicht - angeblich im Gegensatz zum Entwickler der Linux-Version für den Pegasos.

Schließlich erhielt er dann zumindest den Linux-Treiber für den Gigabit-Anschluss, obgleich er zuvor mitgeteilt hatte, dass der Linux-Treiber als Referenz zwar ganz nett, aber nicht hinreichend sei, eine ausführlichere Dokumentation zu ersetzen. Zumal der Interrupt für Gigabit-Ethernet nicht korrekt konfiguriert wurde.

Als sich dann unter den Entwicklern eine neue Firmware-Version für den Pegasos II herumsprach, versuchte Dale Rahn, diese zu erhalten, um OpenBSD deren Verbesserungen nutzen zu lassen. Nach einer Woche des Bettelns im IRC schließlich erhielt er von jemandem die neue Firmware zugespielt - während die natürliche Quelle hierfür, deren Entwickler und die übrigen Vertreter bplans, alle Anfragen ignoriert hätten.

Beim Test der neuen Firmware jedoch musste er feststellen, dass OpenBSD mit ihr nicht mehr lief. Unverzüglich wurden Genesi und bplan informiert und darauf hingewiesen, dass diese Firmware-Probleme vor dem Versand der nächsten Boards gelöst werden müssten, und Dale Rahn bot an, dabei zu helfen. Jedoch erhielt er bloß die lapidare Antwort, dass sich ein paar Dinge geändert hätten - jedoch keine hinreichend spezifischen Informationen, um sich auf Fehlersuche begeben zu können. Alle weiteren Kontaktversuche blieben unbeantwortet. Anderthalb Wochen später dann wurden die Boards ausgeliefert, mit einer neueren Firmware von jenem Tage, an welchem bplan von Dale Rahn informiert worden war.

Hiernach und nach der Mitteilung, dass erneut keine Gehälter ausgezahlt und die seit drei Monaten zugesagten Gesundheitsleistungen sich um wenigstens einen weiteren Monat verzögern würden, kündigte Dale Rahn zum 1. März 2004. Seinem Eindruck nach habe bplan sich nicht um OpenBSD und die Qualität des Boards für den Markt eingebetteter Systeme geschert. Als Antwort erhielt er eine Bestätigung seiner Kündigung sowie die Zusage, dass man alles versuchen werde, ihn für die in den zurückliegenden Monaten erbrachten Leistungen zu bezahlen.

Zu jenem Zeitpunkt habe er keine Drohungen ausgesprochen oder der OpenBSD-Version für den Pegasos Bedingungen auferlegt. Zudem habe er weiterhin Genesi/bplan nach einer korrigierten Firmware oder Kommentaren zu den gemachten Veränderungen befragt, jedoch niemals Antwort erhalten.

Schließlich verschickte er dann eine Mitteilung, dass es zwischenzeitlich zu spät sei, noch die nötigen Anpassungen der zu veröffentlichenden OpenBSD-Version 3.5 vorzunehmen und dass man nicht in der Lage sei, angesichts der fehlenden Unterstützung seitens des Herstellers weiterhin eine Pegasos-Version zu erstellen, weshalb diese nach 3.5 aus dem Quellcodestamm wieder entfernt werden würde.

Dies rief dann schließlich eine Antwort hervor. Dieser zufolge würde er für den Zeitraum nach dem 4. Februar keine Zahlungen mehr erhalten. Zusätzlich wurden ihm die zwei an Theo de Raadt gesandten Pegasos-Boards in Rechnung gestellt.

Insgesamt habe Dale Rahn von den 4,5 Monaten Arbeit für Genesi lediglich für knapp fünf Wochen Lohn erhalten und sei nun auf der Suche nach einem Job.

Zwischenzeitlich wurden von Genesi alle Hinweise auf OpenBSD von der offiziellen Pegasos-Webseite entfernt.

In einer Stellungnahme in der MorphZone kommentierte Genesis Geschäftsleitung zudem, dass man die eigene OpenBSD-Unterstützung ohnedies auch von sich aus aufgegeben hätte, da man es sich nicht länger hätte leisten können, einen OpenBSD-Experten für 5000 Dollar im Monat zu beschäftigen, und zudem kein signifikantes kommerzielles Interesse des Marktes daran bestanden hätte. Weiterhin wird die Persönlichkeit des OpenBSD-Entwicklers Theo de Raadt und dessen Einstellung zum geistigen Eigentum Marvells, des Northbridge-Lieferanten, angeführt. Nichtsdestotrotz erkenne man die Leistungen Dale Rahns an.


Update: (27.03.04, 13:39, snx)
In der Mailingliste OpenBSD-misc behauptet Mitch B. Parker, der mit Dale Rahn und ShopIP am Guardian arbeitete, dass Genesi versucht habe, den Hauptentwickler von ShopIP abzuwerben. Zudem habe es angeblich einen konzertierten Versuch gegeben, sich stattdessen dann mittels eines umgekehrten Entwicklungsprozesses, so genannten Reverse engineerings, durch Analyse der ShopIP-Software deren Funktionsmechanismen anzueignen.


2. Update: (29.03.04, 21:19, snx)
In Kommentaren auf Moobunny [1] und OSNews [2, 3, 4] äußerten sich zwischenzeitlich Ralph Schmidt (bplan) und Paul Adams (Genesi USA) zu den Ereignissen.

Ralph Schmidt betont, dass es definitiv kein Problem hinsichtlich des Supports gegeben habe. Die Informationen, die er von bplan erhalten habe, seien ausreichend gewesen, das Betriebssystem lauffähig zu bekommen und auch einen Gigabit-Ethernettreiber zu schreiben. Einzig die Marvell-PDFs habe man ihm nunmal nicht zukommen lassen können, da diese unter einem Stillschweigeabkommen (NDA) stünden.

Der Chief Operating Officer (COO) von Genesi USA, Paul Adams, der direkt mit Dale Rahn interagierte, führt zudem auf OSNews aus, dass im Laufe der Zusammenarbeit mit ShopIP einige Fragen bezüglich der Integrität dieser Firma aufgetreten seien, in deren Folge man sich gegen eine fortgesetzte Partnerschaft entschieden habe. Die Vorwürfe von Manipulationen an der Crunchbox-Software weist er zudem als unlogisch zurück und betont, dass keine mit Genesi assoziierte Person in irgendeiner Weise an der Funktionalität der Crunchbox Programmierarbeit geleistet hätte.

Die Ausstellung der Schecks im Dezember sei in Erwartung einer dann doch nicht eingegangenen Überweisung erfolgt. Einer davon - eben Dale Rahns - habe ein falsches Datum aufgewiesen, was aber ein Versehen gewesen sei.

Bezüglich des genannten Datums des 4. Februars 2004, bis zu welchem Genesi Dale Rahn ein Beraterhonorar zuerkennt, stellt Paul Adams heraus, dass an jenem Tag die Portierung von OpenBSD auf den Pegasos II abgeschlossen gewesen sei und der Programmierer selbst mitgeteilt habe, dass er von da an aufgrund der seiner Meinung nach fehlenden Informationen nicht hätte weiterarbeiten können.

Die Mitarbeiter Genesis seien als Berater eingestellt worden und sollten ursprünglich im Januar diesen Jahres in vollwertige Angestelltenverhältnisse überführt werden - was sich jedoch dadurch verzögert habe, dass zu spät entsprechende Angebote möglicher Krankenversicherer bei Genesi USA eingetroffen seien, um dies noch mit Wirkung zum 1. Februar zu vollziehen. Am 6. Februar sei dann eine Versicherung ausgewählt und in der Folge die nötigen Formblätter Genesis Beratern zugesandt worden. Jedoch habe keiner davon sein ausgefülltes Formular rechtzeitig zurückgesandt, um den 1. März als Datum des Versicherungsbeginns noch einhalten zu können.

Und was schließlich die beiden Boards an Theo de Raadt anbeträfe, so habe dieser auf Dale Rahns Empfehlung hin zunächst ein kostenloses Pegasos-II/G3-Board erhalten, bei welchem er sich dann aufgrund des anfänglichen Problems mit der Firmware diese zerstörte - woraufhin er ein weiteres Board zugesandt bekommen habe, wiederum kostenlos. Die beiden Boards nun wolle Theo de Raadt Paul Adams' Darstellung zufolge als Ausgleich für die ausstehenden Gehaltszahlungen an Dale Rahn behalten bzw. diesem zukommen lassen. (snx)

[Meldung: 26. Mär. 2004, 15:43] [Kommentare: 94 - 30. Mär. 2004, 11:42]
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